EINE STRANDBAR in Köln. Jana Ina kommt im bunten Sommer-Shirt und strahlt, auch wenn es schon wenig später zu regnen beginnt. Wir reden über ihre Heimat Brasilien. Während der Olympischen Spiele richten sich die Augen der Welt auf Rio. Da ist jetzt Winter, aber „im schlechtesten Fall 20 Grad”. Auch die ehemalige „Miss Rio“ ist im Sportfieber. Sie hofft nicht nur auf Medaillen für ihr Land, sondern dass die Menschen dort endlich wieder auf andere Gedanken kommen.

Ein Blick zurück: Janaína Vizeu Berenhauser Borba wächst in der Nähe von Rio de Janeiro auf, tanzt als Kind Ballett und Samba, singt elf Jahre lang im Chor und modelt nebenbei. Nach der Schule studiert sie zunächst Journalismus. Dann aber nimmt ihre Modelkarriere Fahrt auf. 

Jana Ina Zarrella - Selfie
SELFIE in der Beach Bar: Jana Ina Zarrella


Für Janaína beginnt ein neues Leben: Sie schmeißt ihr Studium hin und zieht nach Deutschland. 
Hier moderiert sie im Fernsehen, nennt sich Jana Ina und lernt Giovanni Zarrella kennen – damals Sänger der Casting-Band „Bro'Sis”. ProSieben begleitet die beiden bei ihrer Hochzeit, der Geburt ihres Kindes und dem Hauskauf. Die heute 39-Jährige ist regelmäßig in Doku-Soaps und Unterhaltungsshows zu sehen und moderierte im Sommer die Hochzeit von Daniela Katzenberger.

Coke, Coke light, Coke Zero oder Coke Life? 
„Nachdem ich jahrelang Coke Red am besten fand, bin ich irgendwann zu Coke Zero gewechselt.“

Du hast nach wie vor eine enge Verbindung nach Brasilien. Wie ist dort die Olympia-Stimmung?
„Am Ende freuen sich Brasilianer immer auf Sport, unabhängig von der aktuellen Situation. Natürlich erlebt das Land momentan eine schwierige Phase. Ich glaube, die Brasilianer würden sich mehr freuen, wenn das ganze Geld für andere Zwecke benutzt worden wäre. Aber es wird kommen wie bei der WM: Am Ende werden alle feiern.“

Welche Sportarten schaust du dir denn gerne an?
„Ich bin ein Riesen-Fußballfan. Aber ich gucke auch gerne Volleyball, vor allem Beachvolleyball. Außerdem finde ich rhythmische Gymnastik super. Da haben wir auch tolle Athleten. Wir hoffen diesmal auf eine Medaille.“

Schon als Kind war es für mich Pflicht, bei einer WM Gelb und Grün zu tragen und Partys zu feiern.


Jana Ina Zarrella – Beach-Bar
SEHR SEHR LAUT, wenn es um Sport geht: Jana Ina Zarella

Wie unterscheiden sich denn Brasilianer und Deutsche beim Sportgucken?“
„Die Deutschen gleichen sich immer mehr an. Sie werden immer offener und fröhlicher. Man trägt Trikots, die eigene Fahne, schminkt sich und ist laut. Das ist für mich sehr brasilianisch. Schon als Kind war es für mich Pflicht, bei einer WM Gelb und Grün zu tragen, sich die Nägel zu lackieren und richtige Partys zu feiern. Dazu kochen wir oder machen BBQ. Diese Momente zelebrieren wir.“

Wie schaust du die Wettkämpfe?
„Ich bin sehr sehr laut und leide mit. Ich schimpfe, wenn es sein muss. Das ist typisch brasilianisch, das kriege ich auch nicht mehr weg.“

In Rio sind jetzt auch viele deutsche Besucher unterwegs. Auf was sollten die achten?
„Nicht mit dicker Uhr und Kamera auf die Straße. Ein bisschen aufmerksam sein, nur das Notwendigste in der Hosentasche mitnehmen und fertig.“

Wurdest du in Rio schon mal beklaut?
„In Rio noch nie. Aber jedes Mal, wenn ich in Rom bin, werde ich beklaut. Viele denken, in Rio laufen nur Räuber auf der Straße rum. Dem ist nicht so. Aber es ist eine große Stadt. Das Land hat momentan finanzielle Probleme, viele haben keine Arbeit, es gibt Straßenkinder. Dann muss man damit rechnen, dass vielleicht die Tasche weg ist, wenn man nicht aufpasst.“

Unsere Bikinis sind knapp geschnitten, aber keine Frau ist nackt am Strand.


Gibt es Dinge, die man als Tourist auf keinen Fall tun sollte?
„Als Frau oben ohne am Strand baden. In Brasilien ist das verboten. Alle denken, wir sind die Nacktesten auf Erden – stimmt nicht. Unsere Bikinis sind knapp geschnitten, aber keine Frau ist nackt am Strand. Man sollte auch nicht in die Armenviertel gehen, auch wenn Führungen angeboten werden. Davon würde ich abraten. Man muss Respekt vor den Leuten haben und sollte nicht wie im Zoo spazieren gehen. Da wohnen Menschen.“

Du hast gerade von Bikinis gesprochen. Wie stark ist der Körperkult in Brasilien?
„Wir Brasilianer achten sehr auf den Körper. Die meisten Menschen machen dort Sport. Am Strand gibt es überall kleine und offene Gyms. Jeder kann diese Geräte benutzen. Es gibt offene
Fitnessstunden, die kostenlos sind. Wir bringen die Leute so dazu, viel Sport zu treiben. Am Strand gehen morgens auch viele joggen oder spazieren.“

Jana Ina Zarrella – Beach-Bar
DEUTSCH? Durchaus. Auch wenn Jana Ina Zarrellas Freundinnen manchmal lachen

Foto: Amanda Dahms


Du bist als junge Frau alleine nach Deutschland gezogen. Wie war die Umstellung?
„Wenn man aus Brasilien in Deutschland landet, ist es am Anfang sehr schwierig. Es ist alles komplett anders. Die Brasilianer sind sehr offen und entspannt. Wenn nicht heute, dann morgen. Hier ist die Mentalität anders. Man muss es mögen. Sonst wirst du dich nie wohl fühlen. Aber ich mag es, wenn alles organisiert ist und funktioniert. Deshalb habe ich mich schnell wohl gefühlt.

Aber am Anfang vielleicht auch einsam...
„Ja, ich kannte kaum jemanden hier, konnte kein Deutsch. Wenn du einkaufst und nichts verstehst, ist das hart. Ich konnte am Anfang auch nicht mal wirklich kochen. Aber durch meine Modeljobs war ich ohnehin viel unterwegs.“

Du hattest nie den Wunsch zurückzugehen?
„Lustigerweise war es nie geplant, dass ich hier bleibe. Ich wollte nur für drei Monate kommen und bin dann immer länger geblieben. Ich war viel im Ausland unterwegs, und die Zeit ist so schnell vergangen. Dann habe ich hier ein Management bekommen, einen Job, und es hat sich so entwickelt, dass ich blieb.“

Ich komme aus einem Land, in dem die Menschen auch viele Steuern zahlen, aber du siehst dieses Geld nirgendwo.


Gibt es nach so vielen Jahren noch etwas, das dich in Deutschland stört?
„Na ja, für alles Steuern zu zahlen, ist schon heftig. Andererseits: Ich komme aus einem Land, in dem die Menschen auch viele Steuern zahlen, aber du siehst dieses Geld nirgendwo. Die öffentlichen Schulen sind der Horror, die Krankenkassen funktionieren nicht. Du wartest da sechs Monate, bis dich ein Arzt empfängt. Ich finde es auch nicht schön, die Hälfte meines Geldes abzugeben. Aber hier hast du Sicherheit, gute Straßen, Bildung für die Kinder. Alles funktioniert.“

Wie haben dich die Leute hier aufgenommen damals?
„Wenn du als junge Frau – Model, Single, Brasilianerin– ins Ausland gehst, ist der Start schwierig. Ich musste mit vielen Klischees kämpfen. Keiner nimmt dich richtig ernst. Sie denken eher, dass du Spaß haben willst, einen reichen Ehemann. Am Anfang hatte ich immer das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen: Ich habe studiert, spreche vier Sprachen, habe einen Job. Am Ende wollte ich das aber nicht mehr und musste es auch nicht. Da haben alle gecheckt, dass ich was anderes vorhabe. Am Anfang ist es wirklich nicht einfach. Aber wenn man ein Ziel hat und an sich glaubt, wird es leichter.“

Ich fühle mich wirklich zu 50 Prozent als Deutsche. Darauf bin ich auch stolz.


Die Sprache ist da sicher auch ein wichtiger Baustein...
„Für mich war von Anfang an klar, dass ich die Sprache beherrschen muss – und zwar perfekt. Bis heute ärgere ich mich, wenn ich einen kleinen Fehler mache. Ich bin sehr perfektionistisch. Das war für mich das A und O, dass ich hier auch respektiert werde. Ich kann nicht in ein Land gehen, dort wohnen und weiter zu 100 Prozent mit meiner Kultur leben. Ich muss mich anpassen. Meine Freundinnen in Brasilien machen immer Witze: Mein Gott, bist du deutsch geworden. Aber klar bin ich Deutsche geworden. Ich lebe hier seit 17 Jahren, meine Kinder sind hier geboren. Ich bin fast die Hälfte meines Lebens in diesem Land. Ich fühle mich wirklich zu 50 Prozent als Deutsche. Darauf bin ich auch stolz.“

Hast du auch einen deutschen Pass?
(lacht) „Noch nicht. Aber ausschließlich wegen meiner Faulheit. Man muss so viele Dokumente sammeln. Jedes Mal, wenn ich zum Konsulat gehe, um mir ein Visum zu holen, will ich mich einbürgern lassen. Und dann sehe ich diese Liste und lasse es. Aber das kommt noch.“

Mit wem würdest du dich gerne mal auf 'ne Coke treffen?
„Mit Victoria Beckham. Mit der würde ich gerne mal einen Tag verbringen. Was sie sich erarbeitet hat – vom Spice Girl bis zu einer großen Nummer im Modegeschäft – ist toll. Ich finde sie, David und ihre Familie total süß.“

Die fünf Lieblingssongs von Jana Ina Zarrella:

1. Justin Timberlake: „Can't stop the feeling“

„Für mich der Sommerhit 2016!”

2. Justin Bieber: „Sorry“

„Manchmal bekomme ich halt auch Bieber-Fever“

3. Robin Schulz: „Sugar“

„Einer von Deutschlands Top DJ’s darf natürlich nicht in meiner Liste fehlen.“

4. Pharrell Williams: „Happy“

„Für mich der ultimative Gute-Laune-Song!“

5. Michael Jackson: „Rock with you“

„Ich war schon immer ein großer Michael-Jackson-Fan und diesen Klassiker liebe ich einfach.“

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