Jeden Monat gibt es auf Journey erfrischende Interviews mit Promis aus Show und Sport. Heute: Die Sängerin Ivy Quainoo. Die Gewinnerin von„The Voice of Germany“ spricht mit uns über ihre Zeit nach der Show und Multi-Kulti in der Hauptstadt.

Es ist der 10. Februar 2012. Der Tag, der das Leben von Ivy Quainoo für immer verändert. Da steht sie in einem Studio in Berlin-Adlershof, in goldenem Glitterregen und hellem Scheinwerferlicht. Nena umarmt sie. Und die Cowboys von The BossHoss. Die 18-Jährige kann es selbst noch gar nicht begreifen. Sie hat gerade die erste Staffel der Musikshow „The Voice of Germany“ gewonnen. Mittlerweile hat sie zwei Alben veröffentlicht und wurde mit einem ECHO ausgezeichnet. Wir treffen Ivy in einem Café in Berlin-Moabit.

Coke, Coke Light oder Coke Zero?
„Ich trinke nicht einmal Kaffee...“

Stimmt, du hast dir gerade heiße Zimt-Orange bestellt. Wie sieht's mit Kuchen aus, wenn wir schon mal hier sind?
„Ich mag trockenen Kuchen und Torten. Ich war hier schon öfter hier in den zwei Jahren, in denen ich jetzt in Moabit wohne.“

Vor zwei Jahren ist auch dein letztes Album („Wildfires“) erschienen. Woran arbeitest du momentan?
„Ich habe im letzten Jahr die ersten Songwriting-Sessions gehabt, aber noch ohne festen Plan für das dritte Album. Kurz vor Weihnachten wurde die Richtung, die wir einschlagen, konkreter. Bald schließe ich mich mit meinen Produzenten im Studio ein und schaue, was passiert.“

Du warst im vergangenen Jahr auch in Äthiopien im Rahmen deiner Botschafter-Tätigkeit für „Gemeinsam für Afrika“. Hast du selbst noch familiäre Kontakte dorthin?
„Ja, Onkel und Tanten von mir wohnen in Ghana. Ich war aber schon lange nicht mehr dort. Beim letzten Mal war ich acht Jahre alt. Es war wunderschön und ich würde mit der ganzen Familie gerne mal wieder hinfliegen.“

Deine Eltern sind vor rund 40 Jahren nach Deutschland ausgewandert. Wie erlebst du die Einwanderungs- und Flüchtlingsdebatte der letzten Wochen und Monate?
„Meine Eltern waren keine Flüchtlinge und haben hier direkt Arbeit gesucht. Ich bin der Meinung, dass jeder das Recht hat, da zu leben, wo er will. Er muss aber bereit sein, sich zu integrieren und zu arbeiten. Es sind in den letzten Jahren so viele Kriege auf der Welt ausgebrochen, die Flüchtlinge hervorgebracht haben. Dass sich Leute über Menschen beschweren, die hierher kommen, um ihr Leben zu retten, finde ich sehr schräg.“
Auf 'ne Coke mit Ivy Quainoo
African Queen: Ivy Quainoo, Gewinnerin bei "The Voice of Germany", veröffentlicht bald ihr drittes Album


Es wird ja häufig in Städten demonstriert, in denen kaum Ausländer leben...
„Ja, stimmt. Man sagt ja immer, dass man nur rassistisch sein kann, wenn man nicht mit Ausländern bzw. Nicht-Deutschstämmigen in Kontakt kommt. Man muss sie erstmal kennenlernen, bevor man sie beurteilen kann. Das passiert leider nicht, wenn in Dresden die Menschen auf die Straße gehen, wo der Ausländeranteil verschwindend gering ist.“

Im Gegensatz zu deinem Heimatbezirk Berlin-Neukölln. Der ist bunt gemischt...
Genau, der Migrantenanteil ist hier sehr hoch. In der siebten Klasse hatten wir nur eine Mitschülerin, die eine deutsche Mutter und einen deutschen Vater hatte. Es gibt unheimlich viele Kinder und Jugendliche, die hier geboren sind, und doch ausländische Wurzeln haben. Wichtig ist es, sich zu integrieren. Obwohl mir persönlich auch die ghanaische Kultur sehr wichtig ist.“

Inwiefern?
„Wir essen oft ghanaisch, und ich lerne die Sprache momentan besser kennen. Ich versuche mit meinen Cousinen und meiner Schwester vermehrt Twi zu sprechen, eine der vielen Sprachen in Ghana. Unser Humor und die Erziehung waren auch relativ ghanaisch.“

Wie unterscheidet sich der Humor denn?
„Die meisten Ghanaer können gut über sich selbst lachen und erzählen sich zum Teil ziemlich flache Witze. Aber ich finde sie lustig.“

Ab wann spielte die Musik eine Rolle in deinem Leben?
„Ich habe schon als Kind vor dem Fernseher zu Michael Jackson getanzt und früh angefangen zu singen. In Neukölln habe ich im Schulchor gesungen und auf meiner neuen Schule in einer Akustik-Band, später im Gospelchor. Ich war immer irgendwie der Freak.“

Du hast mit 14 Jahren parallel eine Bühnenkunstschule in Kreuzberg besucht. Hast du da beschlossen, dich bei „The Voice“ zu bewerben?

„Quasi. Ich habe mich dort während des Abiturs beworben, weil ein Freund mich auf die Castings aufmerksam gemacht hat. Ich bin dann mit ihm dort hingegangen – ohne große Erwartungen. Ich wollte eigentlich nie zu einer Castingshow gehen.“

Warum?
„Weil viele Shows Kandidaten vorführen, die nicht singen können. Das finde ich respektlos.“

Kannst du dich noch an deinen ersten Auftritt in der Show erinnern?
„Auf jeden Fall. Ich habe „American Boy“ von Estelle gesungen. In den Proben ging es jedes Mal schief. Es war fürchterlich. Aber vor den Coaches lief es direkt ab dem ersten Ton.“

Du hast in der Staffel viele Töne getroffen, denn du hast schließlich gewonnen. Warst du auf den Rummel danach vorbereitet?

„Sie versuchen, einen darauf vorzubereiten. Aber ich wurde schon ins kalte Wasser geworfen. Wir hatten eine Woche vor dem Finale eine Pressekonferenz vor dem Brandenburger Tor, der erste größere Pressetermin. Aber dort hat noch niemand unangenehme und private Fragen gestellt. Das kam erst danach. Darauf war ich nicht wirklich vorbereitet, das muss man dann selbst lernen.“

Es kamen dann schnell Fragen zu deinem Vater, der eure Familie noch vor deiner Geburt verlassen hat und den du nie kennengelernt hast. Warst du darauf vorbereitet?
„Ich war schon überrascht, wie dramatisch meine Familiengeschichte in einigen Medien dargestellt wurde. Ich habe sie nie so empfunden und finde das persönlich auch gar nicht sonderlich interessant.“

Zu Voice-Zeiten wirktest du eher schüchtern. Hast du dich durch die Show verändert?
„Die Schüchternheit kam damals vor allem durch die Kameras, die ständig dabei waren. Wenn du andere Kandidaten fragst, würden sie wahrscheinlich das Gegenteil über mich sagen. Ich habe mich aber sicherlich verändert. Ich war damals 19 Jahre alt. Das ist die Zeit, in der man sich am meisten verändert. Aber ich denke, dass ich am Boden geblieben bin. Ich fahre jedenfalls nicht in einer Limo durch Neukölln.“

Was hättest du denn gemacht, wenn es nichts geworden wäre mit „The Voice?“
„Ich hätte nach dem Abi ein Jahr Pause gemacht und dann studiert. Jazz- oder Popgesang, Schauspiel oder Geologie.“

Ist das denn komplett vom Tisch für dich mittlerweile?
„Ich würde auf jeden Fall gerne mal studieren. Ich habe weiter Interesse an Gebärdensprachen und Schauspiel. Wahrscheinlich würde es etwas Künstlerisches werden.“

Hat man als „The Voice of Germany“ eigentlich noch Gesangsunterricht?
„Ich nehme momentan tatsächlich wieder Unterricht und: Ich werde von einer erst 20-Jährigen unterrichtet. Man kann immer dazulernen, und es ist wichtig die Stimme zu trainieren. Es sind ja auch ganz normale Muskeln.“

Mit wem würdest du dich gerne mal auf 'ne Coke treffen?
„Ich würde gerne die Sängerin Sia treffen, die den Song „Chandelier“ gesungen hat. Sie ist schon seit ungefähr 15 Jahren im Geschäft, und ich fand sie schon als Teenager super.“


Die fünf Lieblingssongs von Ivy Quainoo: Jetzt in unserer Spotify-Playlist anhören!

  1. Sia – Elastic Heart - „Ich finde das Video einfach supertoll.“
  2. FKA Twigs – Papi Pacify - „Eine Künstlerin, die ich sehr innovativ finde. Die EP habe ich schon etwas länger, den Song aber vor kurzem erst so richtig entdeckt.“
  3. Jamie Cullum – Everything You Didn't Do - „Der Song ist cool und macht einfach Spaß und gute Laune.“
  4. Laura Mvula – She - „Das Lied baut mich persönlich immer auf.“
  5. Sheppard – Geronimo - „Es ist schwer, einen fünften Song zu finden. Ich nehme Geronimo aus dem vergangenen Jahr.“




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