EINEN TAG vor dem Interview spreche ich mit meiner Großmutter, 85 Jahre alt. Sie schwärmt vom Volksmusikanten Heino. „Der hat viel auf die Mütze bekommen“, sagt sie. Stimmt.

Heino – das sind längst nicht mehr nur dunkle Brille, blondes Toupet und schwarzbraune Haselnuss, über die sich viele lange Zeit lustig gemacht haben. Der Sänger mit der tiefen Stimme hat sich mit seinen fast 80 Jahren neu erfunden. Hat ein Rock-Album aufgenommen, ist mit Rammstein auf dem Heavy-Metal-Festival in Wacken aufgetreten, hat sich neben Dieter Bohlen in die Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ gesetzt. Davon hat meine Oma nicht viel mitbekommen, aber vermutlich mein 18-jähriger Neffe.

Heino ist für die ältere Generation ein Mythos – und bei den Jungen mittlerweile akzeptiert. Jetzt hat er sein Weihnachtsalbum herausgebracht. Nicht rockig, sondern traditionell. „Sehr schöne Lieder“, sagt meine Großmutter.

Mein Handy klingelt. Am anderen Ende keine Dame einer Plattenfirma, auch kein Manager. „Hier spricht Hannelore Kramm, die Frau von Heino. Kann ich Ihnen die Festnetznummer von uns in Kitzbühel geben?“ Es soll nicht das letzte Mal sein, dass ich heute mit Frau Kramm spreche. Aber zunächst übergibt sie den Hörer an ihren Mann. „Ich schaue gerade auf den Hahnenkamm, die Schneekanonen arbeiten auf Hochtouren“, sagt Heino.

Coke, Coke light, Coke Zero oder Coke Life?
„Ich trinke leidenschaftlich gerne Coca-Cola. Während meines Musikstudiums habe ich nebenbei als Dachdecker gearbeitet. Und ich kann mich entsinnen, dass ich bei einer Coca-Cola Firma den Dachstuhl gemacht habe. Deswegen habe ich zu der Zeit von morgens bis abends Coca-Cola getrunken.“

Christstollen oder Weihnachtsplätzchen?
„Ich persönlich esse lieber Plätzchen. Ich habe früher Christstollen selbst gemacht, das war
immer sehr schwierig. Plätzchen gingen mir leichter von der Hand. Deswegen mag ich sie
heute noch lieber als Christstollen.“

Backen Sie als gelernter Konditor noch selbst oder überlassen Sie das anderen?
„Wir wohnen ja direkt an unserer Konditorei in Bad Münstereifel. Selbst brauchen wir also nicht mehr zu backen. Wenn ich noch anfinge, jetzt zu backen, würde Chaos entstehen. Darum lasse ich meine Hände davon.“

Geschenke? Das ist schwer. Etwas Kleines kaufen wir immer, aber im Grunde genommen haben wir ja alles.

Nach 27 Jahren Ehe: Wie kommen Sie auf Ideen für Weihnachtsgeschenke?
„Es ist schwer. Etwas Kleines kaufen wir immer, aber im Grunde genommen haben wir ja alles.“

Ein Hund bellt im Hintergrund. Heino entschuldigt sich. Kurz darauf kommt er wieder ans Telefon.

War das Ihr Hund?
„Nein, das war mein Handy. Ich habe so ein Hundebellen als Ton. Entschuldigung.“

Das macht nichts. Unter Ihrem Weihnachtsbaum liegen also nicht allzu viele Geschenke?
„Wir haben den Weihnachtsbaum draußen stehen. Und was die Geschenke angeht: Wir haben mal ausgemacht, uns gegenseitig nichts zu schenken. Aber es kommen doch immer kleine Überraschungen, die Hannelore mir macht oder ich der Hannelore. Aber noch weiß ich nicht, was ich Hannelore schenken muss.“

Was war das schönste Geschenk, das Sie jemals zu Weihnachten bekommen haben?

„Das war 1948, da habe ich von meiner Mutter ein rotes Akkordeon bekommen, das sie sich vom Munde abgespart hat. Jeden Monat mit fünf D-Mark. Das war mein schönstes Geschenk.“

Wie läuft der Heilige Abend bei Ihnen in Kitzbühel ab?

„Wir feiern zu Fünft mit einer befreundeten Familie. Wir werden bekocht, wobei wir noch nicht genau wissen, womit. Aber wir werden schon etwas machen, was uns schmeckt. Dann trinken wir ein Gläschen Wein dazu, ich Rotwein, Hannelore Rosé. Und so wollen wir Weihnachten mit Heino-Liedern und einer schönen weihnachtlichen Fernsehsendung feiern.“

Heino singt „Schwarz blüht der Enzian“



Sie legen Ihre eigene Weihnachtsmusik abends auf?

„Ich lege meine Musik auf, natürlich auch andere. Ich habe ja viele schöne Weihnachts-CDs mit Chören und so. Die lege ich dann auf. Wir hören aber nicht den ganzen Abend Heino.“

In diesem Moment legt Heino erneut den Hörer zur Seite. „Hannelore, mach' du jetzt“, höre ich ihn leise im Hintergrund schimpfen. „Ich gehe ja schon weg“, höre ich Hannelore sagen. Da ist sie auch schon am Hörer.

Wo ist Ihr Mann?
„Er kommt gleich nochmal. Ich wollte nur was dazu sagen, weil sie gerade über Christstollen sprachen. Wir haben in unserer Konditorei einen ganz leckeren. Kann ich Ihnen den zuschicken? Ich würde gerne Ihre Adresse notieren.“

Hannelore will mir einen Weihnachtsstollen schicken. Was würde meine Oma dazu sagen? Ich gebe ihr meine Adresse, bedanke mich und frage nach ihrem Gatten. Sie gibt ihn mir noch mal.

Sind Sie Ihrer Frau böse?
„Nein, nein. Alles gut. So ist sie. Aber ein Christstollen ist unglaublich kompliziert zu backen. Das lohnt sich für einen kleinen Bäckereibetrieb kaum noch.“

Ich bin gespannt. Aber sprechen wir über ihr neues Weihnachtsalbum. Das klingt, im Gegensatz zu den letzten Alben, gar nicht rockig. Warum?

„Weil ich der Meinung bin, dass Weihnachten kein rockiges Fest ist, sondern ein ruhiges und besinnliches. Ich möchte so Weihnachten feiern und die Musik dazu machen, wie ich es immer gemacht habe: traditionell. Ich habe ja zumindest „Rockin' Around The Christmas Tree“ gesungen mit der jungen Sängerin Sarah Jane Scott. Das ist das einzige Rocklied.“

In zwei Jahren werde ich 80. Da muss man ja in Ruhe ein paar Vorbereitungen treffen.

2013 haben Sie mit Songs von den Ärzten oder Rammstein für Schlagzeilen gesorgt, es war Ihr erstes Nummer-Eins-Album überhaupt. Ruft das nicht nach einer Fortsetzung?

„Nein, ich will im nächsten Jahr erst mal kürzertreten. In zwei Jahren werde ich 80. Da muss man ja in Ruhe ein paar Vorbereitungen treffen. Ich habe noch einige Rockkonzerte im nächsten Jahr, aber ansonsten will ich mich auf meinen 80. Geburtstag konzentrieren.“

Hier singt Heino „Junge“ von den Ärzten:


Wissen Sie schon, wie groß die Feier wird?

„Na ja, die Familie ist ja nicht mehr ganz so groß. Ich bin auch ein Mensch, der lieber im kleinen Kreis feiert. Auch in diesem Jahr feiere ich mit fünf, sechs Mann (am 13. Dezember, Anm. d. Red.). Dann ist aber auch schon Schluss. Ich bin das ganze Jahr über eingespannt und unterwegs. Da muss ich meinen Geburtstag nicht auch noch in einer großen Menge feiern.“

Hier singt Heino „Sonne“ von Rammstein:


Seit Ihrem Rock-Album werden Sie von vielen anders wahrgenommen. Sie werden nicht mehr als „Volksmusikfuzzi“ tituliert. Spüren Sie Genugtuung?

„Genugtuung überhaupt nicht. Ich bin zwar von vielen unterschätzt worden. Aber wissen Sie, ich bin leidenschaftlicher Musiker. Ich habe das gelernt. Mein Wunsch war es in den 60er Jahren, in der Blütezeit des Beats, etwas anderes zu machen. Deswegen war es der Wunsch, Volkslieder zu singen. Das werde ich auch weiterhin tun. Die Rockgeschichten haben sich angeboten. Es haben mir junge Leute geschrieben: 'Heino, du hast so eine tolle Stimme. Mach' doch mal was für uns'. Ich wusste zunächst nicht, was ich machen sollte, weil ich mich auf dem Rocksektor ja nicht so auskannte. Da hat mein Manager mir ein paar Songs zusammengesucht, die gern gehört werden. Die meisten davon kannte ich gar nicht. Aber ich habe sie neu arrangiert, aufgenommen und war direkt auf Platz Eins. Das ging ganz schnell.“

Ich war überrascht von dem Respekt, den mir junge Leute entgegenbringen. Das habe ich vorher nie so erlebt.

Sie sind bei der Jugend beliebt, nicht zuletzt durch die Auftritte in Wacken und bei „DSDS“. Wie sehr können Sie sich noch identifizieren mit der Jugend von heute? Informieren Sie sich darüber, was heute cool ist?

„Na, das muss man ja. Man kann sich ja nicht ausschließen. Ich habe festgestellt, dass ich mein Publikum um 40 Jahre verjüngt habe und dass die jungen Leute heute wesentlich freundlicher und respektvoller älteren Menschen gegenüber sind als die Jugendlichen in den 60er und 70er Jahren. Ich war schon überrascht von diesem Respekt, den mir die jungen Leute, denen ich begegne, entgegenbringen. Das habe ich vorher nie so erlebt.“

Früher wurden Sie eher veralbert...

„Ja, aber das hat mich nie gestört. Ich habe mir die Musik ausgesucht, die ich machen will. Hätte ich früher nicht angefangen, das wunderschöne Liedgut der volkstümlichen Musik zu singen, würden es viele junge Leute heute vielleicht gar nicht mehr kennen. Das wäre ja schade.“

Mit wem würden Sie sich gerne mal auf ‘ne Coke treffen?
„Wenn ich mich mit meiner Familie und meinen Enkelkindern treffe, reicht mir das vollkommen aus. Da braucht es keine fremde Person. Ich war schon immer ein Familienmensch – und bleibe es auch.“

Heinos fünf Lieblings-Weihnachtssongs ....von Heino!


1) „Stille Nacht“

„Das schönste und erfolgreichste Weihnachtslied überhaupt!“

2) „White Christmas“
„Das habe ich von Bing Crosby gecovert. Auch sehr schön.“

3) „Rockin' Around The Christmas Tree“
„Das habe ich mit Sarah Jane gesungen, das hat mir sehr gut gefallen.“

4) „Rudolph mit der roten Nase“
„Das ist auch von meiner neuen CD.”

5) „Winter Wunderland“
„Das war auf schon meiner ersten Weihnachts-CD vor 52 Jahren drauf...und auch auf der neuen.“

Die Songs finden sich auf Heinos neuem Album „Mit weihnachtlichen Grüßen“.

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