Drei Minuten – länger braucht man nicht bis zur Rundum-Erfrischung durch eine Coke. So lange brauchen wir auch für unser erfrischendes Interview mit Frank Zander. Der Kult-Sänger und Moderator ist vor allem in der Vorweihnachtszeit ein gefragter Mann.

Auf ne' Coke mit Frank Zander
Schnurrbart, schwarzer Humor, Reibeisenstimme: Frank Zander ist Kult

Schnurrbart, schwarzer Humor, Reibeisenstimme: Frank Zander ist Kult, nicht nur in seiner Heimatstadt Berlin. Songs wie „Hier kommt Kurt“ (1989), „Der Ur-Ur-Enkel von Frankenstein“ (1974), „Ich trink auf dein Wohl, Marie“ (1974) und „Oh, Susi (der zensierte Song)“ (1976) sind legendär. In Berlin organisiert der inzwischen 72-Jährige jedes Jahr ein Weihnachtsfest für Obdachlose. Die Planungen dazu laufen auf Hochtouren. Für Journey hat sich Zander aber kurz Zeit genommen und chattet mit uns.

Coke, Coke Light oder Coke Zero?

Bier ;-) Sorry!

Sie sind momentan in Berlin, aber haben Ihre zweite Heimat auf Ibiza. Wie können wir uns denn Ihren Alltag im Urlaubsparadies vorstellen?

Naja, erst mal ausschlafen und dann ein Blick auf’s Meer in der Bucht von Sant Antonio. Je nach Wetter plane ich mit meiner Frau einen Ausflug mit dem Schlauchboot in eine kleine Bucht oder eine Fahrt mit dem Auto zu Freunden. Da Ibiza fast zu meiner zweiten Heimat geworden ist, habe ich auch ein winziges Tonstudio, wo ich ein paar neue Songideen aufnehmen kann. Tja und abends gibt’s dann Chuletta de Cordero mit selbstgemachter Aioli und Brot und ein Gläschen Bier ;-) Immer wenn es in Berlin so richtig grau ist und mir das Meer fehlt, klicke ich auf meine Web-Cam, die auf unserer Terrasse steht und genieße den Sonnenuntergang.

Im Meer vor Ibiza konnten Sie sich auch inspirieren lassen für Ihren „Fischologie“-Kalender. Als gelernter Grafiker zeichnen Sie interessante Exemplare. Welches ist denn Ihr Lieblingsfisch – außer vielleicht der Zander...

Ich bin ja bekennender Grusel- und Horror-Fan, deswegen liebe ich den Vampir-Fisch, zusammen mit den genialen Texten von Oliver Ohmann nicht nur ein Augenschmaus. Herrlich sind auch Extra-Wünsche von Anwälten oder Ärzten, für die ich malen soll. Zum Beispiel habe ich vor Kurzem einen Urologen-Fisch gezeichnet, mit Penisklemme und Fingerhandschuh. Der Fisch hängt nun im Wartezimmer.

Ein Teil des Erlöses fließt in das Obdachlosen-Weihnachtsessen, das sie in diesem Jahr zum 20. Mal in Berlin organisieren. Können Sie sich noch an das allerste Mal erinnern?

Aber sicher kann ich mich erinnern. Die erste Veranstaltung im Schloß Diedersdorf war prägend für mich und meine Familie. Die Feier war eigentlich als kleines CD Release-Konzert gedacht, zu dem arme Menschen eingeladen werden sollten (nach dem Vorbild von Bruce Springsteen) und von meiner damaligen Plattenfirma geplant. Das haben wir dann aber schnell fallen lassen und nur noch ein Weihnachtsfest veranstaltet. Es kamen damals ca. 180 Obdachlose und arme Menschen. Ich habe jeden Gast persönlich begrüßt und es wurde ein sehr emotionales und familiäres Fest. Bis heute habe ich diese Tradition aufrecht erhalten und begrüße jeden der mittlerweile 3.000 Gäste persönlich an der Tür. 

Auf ne' Coke mit Frank Zander
Frank Zander ist vor allem in der Vorweihnachtszeit ein gefragter Mann

Welche Geschichte hat sie in all den Jahren am Meisten berührt?

Vor zwei Jahren meldete sich nach der Feier ein Gast telefonisch bei mir und sagte, er hätte seinen letzten Euro für dieses Telefonat ausgegeben und wüsste auch nicht, ob er den Winter überlebt. Er wollte sich aber noch bei mir und meiner Familie herzlich bedanken, denn das Fest war einer der schönsten Tage in seinem Leben…

Was wollen denn die Obdachlosen von Ihnen wissen, welche Fragen stellen sie Ihnen?

Es kommen keine besonderen Fragen oder Hilferufe an diesem Abend, es sind kleine Geschichten. Wir reden über Hertha BSC, über den Bahnstreik oder über Dinge des Alltags. Diesen – ihren - Tag wollen auch die Obdachlosen und Bedürftigen mal ganz normal angehen…

Sie haben für Ihr Engagement unter anderem das Bundesverdienstkreuz bekommen. Wo hängt das heute eigentlich?

Es liegt im Safe, in einer schönen Schachtel. Das kleine Kreuz, eine Anstecknadel, trage ich zu besonderen Anlässen oder wenn ich mal Eindruck schinden will und für unsere Feier betteln gehe ;-)

Wer hätte denn das Bundesverdienstkreuz heute verdient aus Ihrer Sicht?

Viele langjährige und freiwillige Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und ehrenamtliche Helfer, aber ganz bestimmt nicht Dieter Bohlen, der kürzlich dafür vorgeschlagen wurde.

Sie hängen ja sehr an Ihrer Heimatstadt. Ihre Abschiedsworte für den Ex-Regierenden Bürgermeister, Klaus Wowereit?

Mensch Wowi, wirst uns fehlen! Du hast unser etwas angegrautes Berlin wieder zum Glitzern und Funkeln gebracht - Danke dafür! Manchmal hat’s vielleicht etwas viel geglitzert ;-)

Als Ur-Berliner müssen Sie es wissen: Wann wird der BER eröffnet? Wirklich 2017?
Ganz ehrlich? Nie!

In Ihrer Musikkarriere haben Sie legendäre Coverversions gesungen, unter anderem von „Da Da Da“ (Trio), „Jeanny“ (Falco) oder den Ententanz. Welcher aktuelle Hit schreit denn danach, persifliert zu werden?

Da bringt ihr mich ja auf ne gute Idee, es ist wohl wieder an der Zeit für eine gute, verrückte Zander typische Coverversion. Mal seh’n, was sich so anbietet. Vielleicht was von Helene Fischer, die ist mir zu perfekt und glatt.

Sie singen seit Jahren personalisierte Geburtstagssongs, die man bei Ihnen bestellen kann. Was war denn der kurioseste Name, den Sie einsingen mussten?

Oha, da gibt es einige lustige Namen, z.B. Else-Brigitte-Brunhilde, oder Otze, aber am Besten ist immer noch Kapanaimonok.

Sie singen nicht nur, sondern haben in den 70er und 80er Jahren TV-Sendungen wie „Plattenküche“, „Vorsicht, Musik“ und „Känguru“ moderiert. Würde Sie heute eine spezielle Sendung reizen oder haben Sie abgeschlossen mit dem deutschen TV?

Nein, abgeschlossen hab ich nicht, nur sind die jetzigen Sendungen alle spartenformatiert. Der Reiz für mich liegt im bunten Mix von Schlager bis Punk, von Hip-Hop bis Volksmusik. Das traut sich keiner mehr, weil alle nur auf die Quoten und die Werbung schielen.

Mit wem würden Sie sich gern mal auf 'ne Coke treffen?

Gerne würde ich mal mit Mark Knopfler über Fender-Gitarren plauschen, aber auch den großartigen Christoph Walz würde ich gerne mal treffen… 

Die fünf Lieblingssongs von Frank Zander: Jetzt in unserer Spotify-Playlist anhören!



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