DETLEF SOOST DREHT AUF. Die Beats knallen in den lichtdurchfluteten Kursraum. „Macht einfach mit!“ ruft er und beginnt mit den ersten Moves zum Aufwärmen. Das wird anstrengend. Und genau das ist es, was wir von Deutschlands bekanntestem Fitness-Coach erwarten. Abhängen können wir zuhause.

Detlef und seine Frau Kate haben uns zum Probetraining eingeladen, um Übungen aus ihrem neuen Programm „Body & Mind“ zu zeigen. Mit diesen Workouts wollen sie Körper und Geist in Einklang bringen.

Detlef und Kate lernen sich 2008 kennen, hinter den Kulissen der Castingshow „Popstars”. Der Berliner ist da schon acht Jahre lang das Gesicht der Sendung. Er studiert mit den Teilnehmern die Tanzschritte ein und sitzt in der Jury. Die dänische Musikerin Kate Hall ist zum ersten Mal als Vocal-Coach dabei. Es funkt. Im März 2009 will der bis dahin erstaunlich pummelige Tanztrainer abnehmen – um jeden Preis. Und schafft es. Der Choreograf wird mehr und  mehr zum Fitnesspapst. Er veröffentlicht Magazine, DVDs und Bücher, wird 2014 Experte in der TV-Abnehm-Show „The Biggest Loser“.

Kate engagiert sich ebenfalls mehr und mehr in den Bereichen Fitness und Gesundheit. Die Sängerin und Moderatorin ist Yoga-Lehrerin und präsentiert ihren Fans auf Facebook immer wieder überraschende und gesunde Rezepte.

Als der Schweiß getrocknet ist, verraten uns die beiden, wie man sich auch beim Fußballgucken gesund ernähren kann und warum Restaurantbesuche manchmal richtig nerven.

Kate Hall - Training
DEN KNOTEN im Kopf lösen: Kate Hall demonstriert eine gedrehte Variation der Yoga-Übung Bakasana („Die Krähe“) …

Coke, Coke light, Coke zero oder Coke life?
Detlef: „Stilles Wasser!”

Wie viele Eier habt ihr aktuell im Kühlschrank?
Detlef: „Immer zwei Packungen, also so zwölf Eier.“

Das ist eines eurer Hauptnahrungsmittel – oder?
Detlef: „Das brauchst du schon, gerade für's Frühstück. Du kannst ja nicht gleich ein Steak oder ein Hähnchenbrustfilet essen. Kannst du schon, machen aber die wenigsten. Ich bin Fan einer kohlenhydratarmen und eiweißreichen Ernährung. 'Gute' Kohlenhydrate in Erbsen, Bohnen, Linsen oder anderen Gemüsesorten haben wir aber schon im Kühlschrank.“


Was ist das Ungesündeste dort?

Detlef: „Es gibt viele ungesunde Sachen bei uns im Kühlschrank.“
Kate: „Was denn?“
Detlef: „Nachspeisen für die Kinder zum Beispiel.“
Kate: „Ja, die Kinder dürfen Joghurt essen oder Milchreis. Nicht täglich, aber wir wollen nicht, dass sie das Gefühl haben, sie dürften nichts.“
Detlef: „Wir haben zum Beispiel unser Süßigkeitenfach in Griffweite für die Kids. Die fragen uns dann, ob sie etwas Süßes dürfen und ich sage, sie sollen zum Fach gehen. Du siehst sie aber nie mit einer großen Tafel zurückkommen, sondern immer mit kleinen Dingen. Weil sie wissen, dass sie dürfen und nichts Verbotenes tun.“

Das wäre auch schwierig, weil sie auf Kindergeburtstagen oder in der Schule sowieso mit Süßem in Berührung kommen...
Detlef: „Oder bei der Oma...“

Ihr beschäftigt euch seit Langem mit gesunder Ernährung. Eure drei Geheimwaffen?
Kate: „Viel Eiweiß, ein bisschen Kohlenhydrate wie Erbsen, Bohnen und Linsen, und einen Tag in der Woche sollte man sich etwas gönnen. Verzicht ist nie gut. Wir müssen nur lernen, unsere Ernährung umzustellen und mehr Gemüse zu essen. Aber einmal in der Woche darf es ruhig ein Burger sein.“

Einmal in der Woche darf es ruhig ein Burger sein.


Welchen Tag empfehlt ihr?
Detlef: „Persönlich haben wir keinen speziellen Tag. Je nachdem, wann die Kinder Lust haben.”
Kate: „Wer abnehmen will, dem empfehlen wir aber, immer den gleichen Wochentag zu nehmen. Der Samstag bietet sich an. Ein schöner Tag, um mit Freunden essen zu gehen und es sich gut gehen zu lassen – mit Nachspeise und ein paar Gläsern Wein.“

Was kommt bei euch an so einem Tag auf den Tisch?
Kate: „Bei mir ist es Brot. Ich liebe gutes Brot und leckeren, französischen Käse dazu. Das ist für mich ein Genuss.“
Detlef: „Ich liebe Pasta. Aber trotzdem esse ich dann keine Weizenmehlpasta, sondern welche aus Dinkel oder Vollkorn. Wir sind da aber relativ entspannt. Am Anfang rastest du aus und kaufst das halbe Süßigkeitenregal leer, weil du es an diesem Tag darfst. Aber das reguliert sich. Denn du hast irgendwann ein anderes Verständnis von deinem Körper.“
Kate: „Du hast gar keine Lust mehr auf den Burger, weil du weißt, wie ungesund er ist.“

Habt ihr im Restaurant manchmal das Gefühl, die Gäste schauen euch auf den Teller?
Kate: „Ja, das merken wir oft. Und wenn wir eine Nachspeise nehmen, hören wir schon mal: 'Das ist aber nicht gut zum Abnehmen, oder?' Da lachen wir und denken: 'Lasst uns doch einfach unser Eis essen..'“
Detlef: „Mir geht das wirklich auf den Zünder. Normalerweise würde ich am Liebsten fragen: 'Wer von uns sieht denn jetzt so aus, als ob er abnehmen müsste?' Das macht man natürlich nicht. Aber ich finde es schon grenzüberschreitend, wenn Leute uns sagen wollen, wie wir essen sollen. Ich gehe doch auch nicht zu jemandem im Restaurant uns sage: 'Ich weiß aber nicht, ob das jetzt das Richtige für Sie ist...'“

Ich finde es schon grenzüberschreitend, wenn Leute uns sagen wollen, wie wir essen sollen.


Wenn ich jetzt euer 10-Wochen-Programm mitmache: Wie groß ist die Gefahr eines Jo-Jo-Effekts?
Detlef: „Ich kann dir erklären, warum die Gefahr nicht da ist. „BodyChange“ ist keine Diät, sondern eine Ernährungsumstellung. Bei FdH oder einer Kohlsuppendiät stellt sich durch den Verzicht mein Stoffwechsel um. Wenn ich fertig mit der Diät bin, einen langsamen Stoffwechsel habe und dann wieder mehr esse, bleibt der Stoffwechsel weiter langsam und ich explodiere. Das macht diesen Jo-Jo-Effekt aus. Bei uns bleibt die Ernährung reichhaltig, und der Körper hat nicht das Gefühl, verzichten zu müssen. Darum hast du diesen Effekt nicht.”

Detlef Soost - Training
DIE KRÄHE wird zum Adler: Detlef Soost zeigt den Weg zur Traumfigur

Ich höre auch immer wieder: Nach 18:00 Uhr nichts mehr essen...
Detlef: „Auch das ist ein Ansatz. Wenn du abends Kohlenhydrate isst, verbrennt der Körper das ja nicht mehr. Du gehst ja nicht mehr joggen, sondern ins Bett.“
Kate: „Aber nach 18.00 Uhr nichts mehr essen, das schaffst du ja heute gar nicht. Dann würde ich schlechte Laune bekommen. Du musst dich halt auch dann gesund ernähren.“

Dann gebt mir doch mal Tipps. Ich gehe nachmittags gerne ins Café. Was sollte ich essen?
Detlef: „Worauf hast du normalerweise Lust?“

Apfelkuchen...
Kate: „Man kann ja auch gesunde Kuchen backen – mit Mandelmehl, Kokosraspeln und natürlicher Süße wie einer Banane im Teig. Du kannst in 20 Minuten einen gesunden Snack backen und ihn mit zur Arbeit nehmen.“

Dann gucke ich abends gerne Fußball mit Chips und Bier...
Detlef: „Wenn Bayern abends spielt, dann trinke ich gerne ein Glas Rotwein dazu. Das ist viel, viel besser als hefe- und weizenlastiges Bier. Das macht den typischen Bierbauch. Statt Chips esse ich Nüsse oder Kate macht ihre fantastischen Grünkohl- oder Gemüsechips. Zucchini, Aubergine, Möhren dünn schneiden, Öl und Salz dazu und 20 Minuten in den Ofen bei 120 Grad. So einfach und so lecker. Es gibt keinen Unterschied zu Kartoffelchips, außer: hier nimmst du ab, da nimmst du zu.“

Am Wochenende ins Kino mit einer großen Tüte Popcorn...
Kate: „Es passiert auch, dass wir uns Nachos kaufen. Danach geht es mir immer schlecht.“
Detlef: „Aber währenddessen ist es geil. Wir haben vor einigen Wochen 'Bibi & Tina' mit unseren Kindern gesehen. Sie haben Popcorn gegessen, wir eine Riesenpackung Nachos mit Käsesauce und
Jalapeños. I love it!“

Könnte ich auch ohne Sport abnehmen, nur mit der richtigen Ernährung -?
Kate: „Man kann schon viel abnehmen durch richtige Ernährung. Beim „BodyChange“-Programm von Detlef sind die ersten zwei Wochen ausschließlich Ernährung.“
Detlef: „Ich würde sagen, dass die Ernährung 60 bis 70 Prozent ausmacht. Nachher beim Fine-Tuning brauchst du dann eine intensivere Form von Sport.“

Du musst Entscheidungen treffen, damit dein 'Entscheidungsmuskel' wachsen kann.


Wie überzeuge ich denn als Sportmuffel meinen Kopf, mit dem Sport anzufangen?
Kate: „Du musst Entscheidungen treffen! Es gibt viele Menschen, die davor Angst haben, weil sie nicht die falschen Entscheidungen treffen wollen. Dann treffen sie lieber gar keine. Aber es ist wie beim Muskelaufbau: Du musst Entscheidungen treffen, damit dein 'Entscheidungsmuskel' wachsen kann.“
Detlef: „Und jede Entscheidung ist gut! Jede Entscheidung, zu der du hundertprozentig stehst, ist die richtige. Die einzige falsche Entscheidung, die du treffen kannst, ist keine zu treffen. Das bedeutet Stillstand.“

Wie wichtig ist es, dass mein Umfeld auf meine Körperveränderung reagiert?
Kate: „Viele brauchen die Bestätigung von außen. Deshalb sind so viele Menschen unzufrieden. Wir müssen lernen, diese Bestätigung und Kraft in uns selbst zu finden. Wenn wir das verstanden haben, wird alles viel leichter.“

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Wie wichtig ist es, dass ihr als Trainer auch motivieren könnt?
Detlef: „Du brauchst drei Säulen, um Dinge erfolgreich durchzuführen. Dazu gehört die eigene Motivation, du solltest dir also ein Ziel setzen. Dann musst du dir einen Plan machen, welchen Weg du beschreiten willst. Und das dritte ist die Motivation, die du auch von außen bekommst. Wenn du eigentlich schon aufgeben willst, sagen wir: 'Komm, diesen einen Schritt schaffst du noch'.“

Du hast von einem Plan gesprochen. Heißt das, ich soll mir konkret vornehmen, wie viele Kilos bis wann weg sollen?
Detlef: „Ja, das musst du konkretisieren. Ich habe mir damals, als ich abgenommen habe, gesagt: 'Ich will in zehn Wochen mindestens 20 Kilo abnehmen und auf's Cover einer Fitness-Zeitschrift kommen.' Damals wog ich 32 Kilo mehr als heute und die Leute, denen ich davon erzählte, haben gelacht. Aber wichtig war, mir selber den Druck zu machen, indem ich mein Ziel öffentlich kommunizierte. Zum Schluss habe ICH gelacht. Und ich war auf dem Cover von „Fit For Fun.“

Einige sagen von sich, sie seien süchtig nach Sport. Seht ihr die Gefahr, zu übertreiben?
Detlef: „Man sollte stoppen, wenn man das Gefühl hat, dass es einem nicht mehr gut tut. Viele würden über Kate und mich sagen, dass wir sportsüchtig sind. Aber solange wir mit dem, was wir tun, glücklich sind, ist doch alles in Ordnung.“

Du hast 2009 dein Leben geändert. Wie wichtig ist, dass der Partner mitzieht?
Detlef: Wenn Kate damals jeden Tag mit einem Kuchen an mir vorbeigelaufen wäre, wäre es natürlich schwieriger gewesen. Aber wir beide haben das gleiche Leben, die gleichen Werte in Sachen Gesundheit und Lifestyle. Dadurch ist es viel leichter, das umzusetzen.

Sind mollige Menschen glücklich?
Detlef: „Früher habe ich auch erzählt, dass ich mich eigentlich wohlfühle mit meinem Gewicht. Aber das habe ich nur gesagt, um mich nicht schlecht zu fühlen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es bei den meisten anderen auch so ist.“

Mit wem würdet ihr euch gerne mal auf ein stilles Wasser treffen?
Kate: „Es gibt so viele spannende Menschen, zum Beispiel den amerikanischen Bestsellerautor und Coaching-Trainer Anthony Robbins.”
Detlef: „Barack Obama.”

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