Jeden Monat gibt’s auf Journey erfrischende Interviews mit Promis aus Show und Sport. Heute: Bonaparte. Der wilde Indierock-Electro-Punk-Haufen aus Berlin spielt in diesem Sommer Festivals und ist auch noch im Kino zu hören. Bandkopf Tobias Jundt hat den Soundtrack zur neuen Christian-Ulmen-Dramakomödie „Becks letzter Sommer“ komponiert.

Verstaubte Keyboards, ein alter Kassettenrecorder, eine leere Coke-Flasche. Hier, in Berlin-Mitte, ist das „Zentrum“ von Bonaparte. Auf der Bühne ist das 2006 gegründete Projekt ein wilder Haufen internationaler Künstler, der einen bunten und rustikalen Sound aus Punk, Rock und Elektro präsentiert. Allen voran: Der Schweizer Tobias Jundt, Mastermind hinter Bonaparte. Ein Gespräch über Filmmusik, Kinoflops und den Traum von einer eigenen Schule.

Coke, Coke Light, Coke Zero oder Coke Life?
„Ich hatte vor einer Woche eine Coke Life und war irgendwie verwirrt. Für mich persönlich gibt es nur die eine wahre Coke: die rote, klassische Coca-Cola.“

Bonaparte – Coca-Cola Journey
„ICH BIN Freigeist“: Bonaparte

Kommt hier eigentlich auch mal eine Putzfrau vorbei in Bonapartes Studio?
„Nein, auf keinen Fall. Das ist ja ein Museum. Hier hinten steht Großmutters Orgel. Die hab' ich gestern erst für einen Track gebraucht. Es lachen immer alle drüber, aber wenn ich die anmache: Da kommen Bässe raus, da fliegt der Oma das Porzellan aus der Schrankwand.“

Hier sind ja Dutzende Gitarren, Keyboards, Mischpulte: Was ist dein Heiligtum, das keiner anfassen darf?
„Mit gesteigerter Lebenserfahrung lasse ich tatsächlich auch andere Menschen ran. Wenn du jung bist, sagst du oft: 'Das ist meins! Mein Mädchen!' Wenn heute einer meine Roland Drum Machine benutzen möchte, ist das kein Problem.“

Im Soundtrack zu dem Film „Becks letzter Sommer“ zeigst du dich von einer intensiven, aber vor allem variantenreichen Seite: wild, aber auch eingängig und vor allem: melodisch...
„Ich würde sagen, es ist mein tiefgründigstes Album bisher. Endlich mal wieder mit Streichern. Ich habe keine stilistischen Scheuklappen und liebe Soundtracks.“

Im „Becks letzter Sommer“ spielt Christian Ulmen einen Lehrer, der eigentlich von einer Karriere als Musiker geträumt hat und todunglücklich in seinem Job ist. In seinem Schüler Rauli sieht er den Ausweg aus dem Alltag. Mit dem talentierten Sänger und Gitarristen beginnt er eine Zusammenarbeit, die in einer verrückten Reise nach Istanbul gipfelt.

Was wärst du geworden, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte?
„Tatsächlich Lehrer.“

Wirklich? Wie im Film?
„Ja, aber eigentlich stand schon immer fest, dass ich Musik machen werde. Das Lehrerseinliegt aber historisch in meiner Familie. Ich breche mit dieser Tradition.“

Als Lehrer kann ich mir dich wirklich nicht vorstellen...
„Vielleicht werde ich ja mal Guru und gründe meine eigene Sekte. Dann bin ich auch wieder ein Lehrer.

Oder Musiklehrer...
„Für mich sind Regeln da, um sie zu brechen. Ich bin Freigeist. Ich würde eine eigene Schule gründen, das fände ich dann wieder cool. Montag: Wir liegen nur rum, essen und trinken, soviel wir können und philosophieren. Mittwoch: Schwänzen. Die bonapartsche Schule des Lebens...“

Auf deinem Lehrplan stand zuletzt: Songs schreiben, die später Christian Ulmen und sein Musikschüler Rauli im Film interpretieren. Du warst also intensiv einbezogen in die Dreharbeiten?

„Bei den Dreharbeiten war ich immer dann, wenn es um Musik ging. Dann kam Christian Ulmen in meinen Wohnwagen, und wir haben noch an den Songs gebastelt. Aber die Hauptarbeit war schon hier im Studio.“

Und hat dich Christian Ulmen auch hin und wieder hier besucht? Ihr habt ja mal zusammen in einer Band gespielt...
„Christian ist morgens hierhergekommen. Das war cool, weil kurz vorher immer eine Dame mit Speisen und Getränken vorbeikam, damit er sich wohlfühlt. Er hat die Songs, die ich ihm geschickt habe, im Auto gehört und einstudiert und hier dann eingesungen.“

Bonaparte – Selfie – Coca-Cola Journey
Bonaparte: Selfie mit Beatbox

Gehst du privat auch gern ins Kino?
„Ich liebe Kino. Ich habe schon als Kind in Bern mein eigenes Open-Air-Kino auf dem Hausdach veranstaltet. Ein Leinentuch mit Schnüren im Hof. Meine Freunde und ich haben uns aufs Schrägdach gesetzt und haben einen Film geguckt. Ich liebe auch Filmmusik, vor allem von Italienern wie Nino Rota („Der Pate“) oder Ennio Morricone („Spiel mir das Lied vom Tod“).“

Hast du auch mal ein Kino während der Vorstellung verlassen, weil der Film so schlecht war?
„Ich war mit meiner damaligen Freundin in Südfrankreich. Wir sahen ein schwarz-weißes Filmplakat mit einer Frau im Nachthemd, offensichtlich ein Wettbewerbsfilm der Filmfestspiele in Cannes. Wir sind deshalb reingegangen. Am Ende haben wir gemerkt, dass es ein Zusammenschnitt von Sexfilmen aus der Anfangszeit des Kinos war. Eigentlich spannend. Aber für ein Pärchen war es nicht unbedingt das Richtige. Da mussten wir einfach raus.“

Auf dem Höhepunkt des Films...
„Ja, eigentlich will man ja das Ende eines Films unbedingt sehen. Mein Bruder und ich sind damals in der Schweiz meistens zur Pause ins Kino geschlichen, weil wir nichts zahlen wollten. Ich habe also von sehr vielen Filmen nur die zweite Hälfte mitbekommen und musste mir den Anfang zusammenreimen.“

Vielen Dank, dass du dir hier in deinem Museum Zeit für uns genommen hast...
Jetzt habe ich dir meine Geschichte mit Coca-Cola gar nicht erzählt....

Bitteschön…!
„Jetzt kann ich die endlich mal erzählen: Es gab damals eine Flasche Coca-Cola bei uns im Keller, sonst nur Apfelsaft und so. Diese Flasche war wie der große Traum von Amerika. Ich bin in den Keller gegangen, konnte sie mir ansehen, aber es war verboten, sie zu trinken. Nur wenn wir Fieber oder Bauchschmerzen hatten, durften wir davon trinken. Meine Familie hat sie quasi noch als Medizin verwendet. Eines Tages habe ich Seife gegessen in der Hoffnung, dass ich krank werde. Heute kriegst du die Coke an jeder Ecke.“

Mit wem würde Bonaparte sich gerne mal auf 'ne Coke treffen?
„Schwere Frage. Mit was drin? Vielleicht mit Humphrey Bogart! Er kriegt den Whisky, ich die Coke.  

„Becks letzter Sommer“ läuft derzeit im Kino.

Folge Bonaparte auf Facebook, Twitter und Instagram!


Die fünf Lieblings-Filmsongs von Bonaparte:
Jetzt in unserer Spotify-Playlist anhören!



1) Tim Fite – Big Mistake

„Ich finde die Message schön: Jeder darf mal einen Fehler machen. Aber wenn du auf meinen Fehler wartest, dann musst du lange warten. Ich warte nämlich auf einen besonderen Tag und verscheiße es so richtig. Der Song ist auch auf dem Soundtrack, zusammen mit Christian Ulmen gesungen.“

2) Dusty Springfield – The Look of Love
„Burt Bacharach hat den Song auf den Körper von Ursula Andres geschrieben für den James-Bond-Film 'Casino Royale'. Das war in der Schweiz früher quasi meine Nachbarin. Zumindest lagen zwischen ihrem und meinem Geburtsort nur ein Feld und eine Eisenbahn.“

3) Nino Rota – Love Theme From „The Godfather“
„Das ist das wohl berühmteste Theme vom Paten. “

4) Harold Faltermeyer – Axel F.
„Miami Vice! Ich habe daraus mal eine Funk-Version mit Bläsersatz gemacht. Die kam leider nie raus.“

5) Nino Oliviero - Ti guarderò nel cuore aka More
„Das ist die Melodie aus dem Dokumentarfilm „Mondo Carne“ aus den 60ern. Ein toller Soundtrack, nur mit Geigen.“

Newsletter Abo