AURA SPIELT mit ihrem Smartphone. Einen Manager hat sie nicht dabei. Aura ist einfach da. Und bietet uns Kekse an.

Erinnert ihr euch noch an das Video zu Hit „I Will Love You Monday (365)“? Darin laufen alle Schuhe aus ihrem Schuhschrank hinter ihr her. Verständlich, denn Aura sieht umwerfend aus, damals wie heute.

Aura war in ihrer Heimat Dänemark längst ein Star, als sie mit diesem Song in Deutschland die Tanzflächen rockte. Auch ihr zweiter Hit „Geronimo“ stand eine gefühlte Ewigkeit in den deutschen Charts. Seitdem sind sechs Jahre vergangen.

Jetzt treffen wir Aura in Berlin. Ende April erscheint ihr neues Album „Can't Steal The Music“. Ein Gespräch über ihre Zeit im Kloster und Musik als Therapie.

Coca-Cola, Coke light, Coke Zero Sugar oder Coca-Cola Life?

„Ich mag die echte Coke. Ich trinke normalerweise Coke, wenn ich Energie brauche, einen Kater habe oder im Sommer mit Zitrone und viel Eis. Manchmal ist Coke einfach das Beste, was es gibt.“

Du hast vor sechs Jahren dein letztes Album veröffentlicht und in der Zwischenzeit deinen Nachnamen verloren. Wo ist er hin?

„Jemand hat ihn aufgegessen... Nein, ich wollte die Dinge etwas vereinfachen. In meinem Privatleben und meiner Karriere, denke ich. Weniger ist mehr.

Aura - Selfie
DAS SELFIE hat Aura mit ihrem eigenen Smartphone gemacht, „wegen der Filter“

Wie würdest du die letzten sechs Jahre in deinem Leben beschreiben?

„Diese Zeit ist vergangen wie im Flug. Ich habe in Los Angeles gelebt, in einem Kloster in Nepal, bin viel gereist. 14 Monate lang gab es nur mich und meinen Koffer. Ich hatte kein Zuhause, keine Kleider, keine Instrumente. Ich musste Frieden mit mir selbst finden. Das war sehr interessant. Aber irgendwann kam der Punkt, wo ich wieder Lust hatte, kreativ zu sein und ein Album zu machen.“

„Ich hatte einen hohen Lebensstandard. Irgendwann bin ich aufgewacht und wollte genau das Gegenteil erleben“.

Warum bist du ins Kloster gegangen?

„Ich glaube, ich hatte genug von Los Angeles. Ich hatte eine Haushälterin und einen hohen Lebensstandard. Irgendwann bin ich aufgewacht und wollte genau das Gegenteil. Ich wollte ergründen, was wichtig ist im Leben, etwas lernen und erwachsen werden – auch als Künstlerin.“

Hast du denn mit den anderen dort über dich und deine Karriere geredet?

„Ich habe darüber nicht gesprochen, aber sie haben mich manchmal dazu gebracht. Die Nonnen waren neugierig. Sie kannten mich natürlich nicht, aber ich sollte ihnen etwas vorsingen. Das war schön.“

Aura - Portrait
AUCH SCHWEIGEN will gelernt sein: Aura ging dafür ins Kloster

Hast du während dieser Zeit etwas vermisst?

„Jeden zweiten Tag durfte man nicht sprechen. Das war manchmal schwer. Aber ich denke, wenn du nicht die Fähigkeit besitzt, alleine zu sein, kannst du kein großer Künstler werden. Es gibt so viele Situationen, in denen du dich alleine fühlst und in denen du Entscheidungen ganz allein treffen musst. Ich wollte lernen, mich wohl dabei zu fühlen, wenn ich auf mich gestellt bin. Nicht zu kommunizieren und zu interagieren, weder mit meinen Internetfreunden, noch den Fans oder meiner Familie.“

„Ich musste alles selbst entwickeln. Ich habe viele Hochzeiten und Beerdigungen verpasst.“

Es gibt Musiker, die in ein regelrechtes Loch fallen, wenn sie von einer Tournee nach Hause kommen. Die Einsamkeit...

„Weißt du, ich habe so früh angefangen und habe mein erstes Album mit 20 Jahren veröffentlicht. Ich hatte seitdem nie ein normales Leben, stand immer im Scheinwerferlicht und habe hart gearbeitet. Ich habe so viele Hochzeiten und Beerdigungen verpasst. Es stand ja niemand hinter mir, keine große US-Plattenfirma. Ich komme aus Dänemark. Ich musste meine ganze Karriere selbst entwickeln. Irgendwann kommt der Punkt, an dem du dich fragst, welche Person du wirklich sein willst.“

Durch den Erfolg deiner ersten beiden Alben waren die Erwartungen natürlich hoch. Wie haben die Leute reagiert, als du deine Pause angekündigt hast?

„Ich habe eigentlich niemandem davon erzählt. Es ist einfach passiert. In diesen sechs Jahren habe ich Songs geschrieben, sogar ein ganzes Album gemacht. Ich durfte es aber aus juristischen Gründen nicht veröffentlichen, was sehr hart war. Ich habe dann weitergemacht und fast täglich Lieder geschrieben, hunderte.“

Du warst auch während deiner Auszeit in den Schlagzeilen. Du hast dich von deinem damaligen Verlobten, dem Skype-Gründer Janus Friis, getrennt, die Hochzeit ist geplatzt...

„Ich hatte ganz unterschiedliche Gefühle. Ich habe mich am Ende entschieden, mich nicht länger zu verstellen. Ich habe zu mir selbst gefunden und mich nicht mehr mit dem Lärm um mich herum beschäftigt. Ich weiß, wer ich bin. Ich kenne meine Freunde seit der Schulzeit. Ich habe eine enge Beziehung zu meiner Familie. Das ist wichtig für mich. Ich mache Musik, weil ich sie liebe. Alles andere ist unwichtiger Kram.“

Den du auf deinem neuen Album verarbeitest...

„Ja. Ich habe einen Deal mit Gott gemacht: Ich rede nicht über diese Dinge, ich singe darüber. So ist das als Künstler. Ich habe in der Phase viele Songs geschrieben.“

Nicht reden, sondern singen. So klingt Auras neues Album:

Du bist ja in einer musikalischen Familie groß geworden, deine Eltern haben sich auf dem legendären Festival in Roskilde kennengelernt. Welche Rolle hat Musik damals gespielt?

„Das Wichtigste für meinen Vater war nicht Religion oder Politik, sondern Rock'n'Roll. Meine Eltern waren echte Hippies und gehörten zu den Ersten, die damals nach Christiania gezogen sind. Das hatte einen großen Einfluss auf mich. Ich habe früh gelernt, wie wichtig es ist, tolerant und emphatisch zu sein. Jeder Mensch, auch wenn er es nicht zeigt, hat seine Probleme. Musik ist wichtig, um möglichst viele Menschen zu erreichen und ihnen bei ihren Problemen zu helfen.“

Vor diesem Hintergrund: Wie schwer war es, dich im oft emphatielosen Musikgeschäft zurecht zu finden?

„Ich war echt dumm und naiv. Ich wurde oft betrogen. Ich habe auf viel Geld verzichtet, weil ich es Menschen in meinem Umfeld geschenkt habe. Manche haben nur den finanziellen Nutzen in mir gesehen und mich ausgenommen, um ihren Lifestyle zu finanzieren. Bei all den Stunden, die ich in das Projekt Aura stecke, ist es aber nur fair, dass ich auch dafür bezahlt werde.“

Hat dir deine Auszeit auch in dieser Hinsicht geholfen?

„Na ja, ich bin ein sehr offener und warmherziger Mensch. Aber ich habe erfahren, dass es Menschen gibt, die dich benutzen und ihre eigene Agenda verfolgen. Ich habe definitiv gelernt, vorsichtiger zu sein und bei Verträgen genauer hinzuschauen. Aber ich bin eine sehr starke Person. Ich werde mich sicher nicht von meinem Weg abbringen lassen. Keine Ahnung, woher ich diese Stärke habe.“

„Mein Vater sagte: Das klingt aber nicht wie die Stones.“

Wie gefällt deinen Eltern eigentlich deine Musik?

„Mein Vater ist aus dem Norden Dänemarks. Da kann man seine Gefühle nicht so rüberbringen. Ich weiß noch, wie er mal sagte: Das klingt aber nicht nach den Rolling Stones.“

Und was hörst du privat?

„Ich höre gar keine Musik, ich fühle sie. Ich fühle die Schwingungen. Heavy Metal, Bollywood, afrikanische Musik, Drum & Bass – ganz egal. Das sind alles Schwingungen und Gefühle für mich.“

Aura - Reisen
NUR EIN MÄDCHEN, das Popmusik macht? Auf Reisen hat Aura zu sich selbst gefunden

Und wenn du traurig bist?

„Ich glaube, dann höre ich gar keine Musik. Dann kreiere ich Musik.“

Hast du vor etwas Angst?

„Ich glaube, Angst ist der schlimmste und gefährlichste Diktator, den es gibt. Angst behindert uns. Aber es gibt schon Dinge, die mir Sorgen bereiten. Nimm mal Kim Kardashian. Sie hat auf Twitter über 50 Millionen Follower, doppelt so viele wie der US-Präsident. An ihr ist nichts echt. Es gibt keine Leidenschaft, keine Kunst, keine Geschichten zu erzählen. Ich will eine Revolutionärin sein. Auch wenn ich „nur“ Popmusik mache und auch „nur“ ein Mädchen bin, das Lippenstift trägt.“

„Ich hoffe, es dauert nicht mehr allzu lang, bis wir die Welt wieder in Ordnung gebracht haben.“

Apropos Angst: Glaubst du, die vielen Reisen haben dir geholfen, so tolerant zu sein und keine Angst vor dem Fremden zu haben?

„Dafür bin ich besonders dankbar. Ich hatte die Möglichkeit, unterschiedliche Kulturen kennenzulernen. Ich habe gelernt, dass wir Menschen im Wesentlichen alle gleich sind, auch wenn wir äußerlich anders aussehen und andere Lebensweisen haben. Heute geht die Kommunikation zwischen den Kulturen meistens schief. Ein großes Ego und der Wunsch, anderen seinen Lebensstil aufzudrängen. Meine Mutter ist mit Freunden in den 70ern barfuß durch Afghanistan gereist – als weiße Frau. Die Dinge haben sich verändert. Ich hoffe, es dauert nicht mehr allzu lange, bis wir die Welt wieder in Ordnung gebracht haben.“

Mit wem würdest du dich gerne mal auf ‘ne Coke treffen?

„Ich hätte liebend gerne Michael Jackson kennengelernt. Ich glaube, wir hätten eine unglaubliche Zeit zusammen gehabt. Und ich würde gerne mal Miley Cyrus treffen. Sie ist eine tolle Künstlerin, lustig und hat eine tolle gemeinnützige Organisation. Sie ist so anders. Mit ihr würde ich gern mal zusammen zu Abend essen.“

Fünf Lieblingssongs von Aura:


1) Nina Simone: „Feeling Good“
„Als ich den Song das erste Mal hörte, dachte ich: 'Wow! Was ist das?'“

2) Justin Bieber: „Love Yourself“
„Das war ein großartiger Song im letzten Sommer.“

3) The Weeknd & Lana Del Rey: „Lust for Life“
„Auf dieses Duett habe ich lange gewartet.“

4) Little Richard. „Tutti Frutti“
„Das macht mich einfach glücklich.“

5) Leonard Cohen: „Hallelujah“
„So nah war man Gott, dieser übernatürlichen Macht, musikalisch noch nie.“

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