ANRUF BEI ALBERT HAMMOND: Wir erreichen einen der größten Songwriter aller Zeiten auf dem Handy. Wir im regnerischen Berlin, er im sonnendurchfluteten Los Angeles. „It Never Rains in Southern California“, sang Hammond schon 1972. Der Brite wartet in seinem Apartment auf unseren Anruf. Im 16. Stockwerk. Mit einem grandiosen Blick auf die schneebedeckten Berge von San Bernardino. „Der Ausblick ist herrlich“, schwärmt er, als er uns begrüßt. Schon in den 70ern zog es ihn in die USA.

Hammond hat Welthits für Whitney Houston („One Moment in Time“), Tina Turner („I don't Wanna Loose You“) oder die Hollies („The Air That I Breathe“) komponiert. Lange war es ruhig um den 72-Jährigen. Über 30 Jahre keine Auftritte, kein neuer Song. Lieber schrieb er für Weltstars wie Art Garfunkel, Tom Jones, Chris de Burgh oder Céline Dion.

2010 dann die Rückkehr ins Rampenlicht. Hammond nimmt ein neues Album auf, singt ein Duett mit seinem Sohn. Albert Hammond junior ist Gitarrist bei der New Yorker Rockband The Strokes. Nun macht er sich bereit für seine „SongBook“-Tour, die ihn im April und Mai auch nach Deutschland bringt.

Musik ist Hammonds Leben, das spüren wir sofort. Immer wieder spielt er uns Akkorde auf dem Klavier vor. Ein Gespräch über seine Leidenschaft: Musik.

Albert Hammond - Selfie
Selfie im 16. Stock: Albert Hammond
Coke, Coke light, Coke Zero Sugar oder Coca-Cola Life?

„Für mich die normale Coke. Ich schaue gerade mal im Kühlschrank nach…..ich habe sieben Dosen Coke dort. Ich mache ab und zu Popcorn. Und ich liebe es, Popcorn mit einer Coca-Cola zu essen. Ich habe als Mitglied der Oscar-Akademie alle nominierten Filme gucken müssen. Und dabei habe ich natürlich Popcorn gegessen und eine Coke getrunken.“

Was machen Sie normalerweise an einem Dienstagmorgen, wenn Sie keine Interviews am Telefon geben?

„Ich gehe nach dem Aufstehen ins Fitnessstudio, frühstücke und schreibe danach vielleicht Texte. Oder ich fahre mit dem Auto durch die Gegend und schaue, ob mich etwas inspiriert.“

Wie inspirierend ist Los Angeles?

„Die ganze Welt ist inspirierend. Wir leben gerade in einer verrückten Welt. Davon kann man nur inspiriert werden. Ansonsten musst du sie hassen...“

Wie musikalisch starten Sie normalerweise Ihren Tag?

„Ich höre morgens klassische Musik: Beethoven, Schubert oder Bach. Beim Sport konzentriere ich mich aber ganz aufs Laufen.“

Schalten Sie da komplett ab oder haben Sie auch auf dem Laufband Songideen?

„Das kann schon passieren, dass mich der Rhythmus des Laufens inspiriert. Die Geräusche ähneln einem Schlagzeug. Dann nehme ich das schnell mit dem iPhone auf. Ich bin ein sehr rhythmischer Mensch.“

Haben Sie aktuell einen Lieblingssong, den Sie gerne im Radio hören?

„Nicht wirklich. Mein Lieblingssong aller Zeiten ist John Lennons ‚Imagine‘. Ich würde mir wünschen, dass die Welt so wäre, wie John sie in diesem Song beschreibt. Ich bewundere ihn für dieses Lied. Das hätte ich sehr gerne selbst geschrieben.“

So klang Albert Hammond 1973. Ein Profi, selbst mit einer gerissenen Gitarrensaite:


Was denken Sie denn von aktuellen Popsongs von Rihanna oder Justin Bieber? Sie arbeiten viel mit elektronischen Hilfsmitteln, bei denen – so sagen Kritiker –die Seele der Musik verloren geht…

„Ich würde nicht sagen, dass sie keine Seele haben. Ich mag Justin Bieber, Rihanna, Beyoncé und andere Songwriter, die es heute gibt. Es gab immer gute und schlechte Musik. Es gibt auch heute tolle Songs, zum Beispiel „Love Yourself“, den Justin Bieber und Ed Sheeran geschrieben haben.“

"Ich bin ein altmodischer Komponist. Ich nehme eine Gitarre oder spiele etwas auf dem Klavier."

Ist es mit all den technischen Hilfsmitteln heute einfacher, einen Hit zu komponieren?

„Für mich nicht, weil ich diese Dinge nicht nutze. Ich nehme eine Gitarre und probiere Dinge aus oder spiele etwas auf dem Klavier. (Er spielt ein paar Akkorde) Ich bin ein altmodischer Komponist. Und wenn etwas auf der Gitarre oder dem Piano toll klingt, dann kann man sich vorstellen, wie großartig sich am Ende der fertige Song anhört. Aber mit einem Drum-Sound zu starten, vier Akkorden und am Ende alles zusammen zu mixen, das könnte ich nicht. Aber andere machen das heutzutage und sie machen das gut.“

Also hat die Technik nie Einfluss auf Ihre Arbeit gehabt?

„Nein, nie. Ich bin immer noch der Albert Hammond, der ich immer war. Wenn mich etwas inspiriert, dann schreibe ich es auf. Manchmal ist es gut, manchmal nicht. Aber ich bewahre alles auf. Ich habe immer noch Kassetten aus den 60er und 70er Jahren, weil ich glaube, dass dort gute Songs drauf sein könnten. Eines Tages, wenn ich älter und nicht mehr inspiriert bin, werde ich mir diese Kassetten anhören.“

Also sie haben noch nie einen Song am Computer komponiert?

„Nein. Ich wüsste nicht, wie. Und ich will es auch nicht mehr lernen. Ich will so sein, wie ich bin. Im Alter fällt das Lernen ohnehin schwerer…“

So klang „It Never Rains in Southern California“ im Original:


Aber Live-Auftritte gehen im Alter noch. Sie kommen ab April auf Tournee nach Deutschland. Sie haben zwischenzeitlich über 35 Jahre keine Konzerte gegeben. Haben Sie es vermisst?

„Natürlich. Ich habe den Applaus vermisst, den Kontakt zu meinen Fans. Aber all das habe ich jetzt wieder. Ich kann mich nicht beschweren.“

Sind denn Zuschauer noch überrascht, dass bestimmte Songs von Ihnen geschrieben wurden?

„Ja. Ich würde sagen, die meisten im Publikum sind überrascht. Aber woher sollen sie es auch wissen? Die Songwriter stehen ja im Hintergrund.“

"Es macht keinen Unterschied, ob du vor 500 oder 5000 Menschen spielst. Du will sie einfach glücklich machen."

Gibt es einen Song, von dem die wenigsten wissen, dass er von Ihnen stammt?

„Da gibt es mehrere. ‚Nothing’s gonna stop us now‘, ‚I don’t wanna loose you‘ von Tina Turner, ‚One Moment in Time‘ von Whitney Houston zum Beispiel. Aber ich bin froh über meine Karriere und dass ich so viele berühmte Songs geschrieben habe.“

Gibt es heute noch Songs für die Ewigkeit?

„Das kann ich nicht sagen. Ich kann ja nicht in die Zukunft schauen. Aber wenn Songs vergessen werden, dann nicht unbedingt, weil sie schlechter sind als frühere. Heute vergeht alles so schnell. Keiner gibt dir mehr die Zeit, einen Evergreen zu entwickeln. Früher konnten Künstler 30, 40 Jahre bestehen. Heute ist man schon froh, wenn man fünf Jahre in diesem Geschäft überlebt....“

...in Zeiten von Castingshows und Internetstars...

„...es geht alles immer schneller und nur noch um Geld. Nicht mehr um die Liebe zur Musik. Ich versuche, dieser Welt fernzubleiben. Ich spiele sogar extra in kleineren Städten, weil dort sonst kaum jemand hinkommt. Es macht keinen Unterschied, ob du vor 500 oder 5000 Menschen spielst. Du willst sie einfach nur glücklich machen.“

Ein weniger bekanntes Werk von Albert Hammond: „Good Old Days“


Schwelgen die Fans in Erinnerungen, wenn sie Ihre Songs hören?

„Sie erinnern sich an ihre Jugend oder sogar Kindheit. Ich schreibe nach den Konzerten eine Stunde lang Autogramme. Im vergangenen Jahr kam eine Frau auf mich zu und begann zu weinen. Sie erzählte mir, dass ihr Sohn vor einigen Monaten bei einem Autounfall in Las Vegas ums Leben kam. Sie meinte: ‚In den letzten zwei Stunden, in denen ich deine Musik gehört habe, habe ich zum ersten Mal diese Tragödie vergessen. Ich möchte mich dafür bedanken‘. Ich kriege heute noch Gänsehaut. Die Fans sind das größte Geschenk für einen Künstler.“

Es wurden schon Bücher darüber geschrieben, wie man den perfekten Song komponiert. Gibt es dafür ein Rezept?

„Ich glaube das nicht. Aber wenn jemand glaubt, jemandem erklären zu können, wie man den perfekten Song schreibt, dann gratuliere ich ihm. Für mich sind Inspiration und harte Arbeit das A und O.“

Welchen Song haben Sie am schnellsten geschrieben?

„Ach, ich brauche nie lange für meine Songs. ‚One Moment in Time‘ habe ich 1988 in zwei Stunden geschrieben. Ich wusste natürlich nicht, dass daraus ein Welthit werden würde. Ich sollte damals einen Song schreiben für das US-Team bei den Olympischen Spielen in Südkorea. Ich wurde von Elvis inspiriert. Ich dachte: Wenn jemand so einen Song singen kann, dann Elvis. Als ich dann die Aufnahme von Whitney Houston gehört habe, hatte ich Tränen in den Augen.“

Waren Sie mal unzufrieden damit, wie jemand einen Ihrer Songs gesungen hat?

„Nein, nie. Jeder hat seinen eigenen Stil. Es kann sein, dass es mal nicht meinen Geschmack getroffen hat. Das ändert aber nichts daran, dass ich immer die individuelle die Art und Weise bewundere, mit der jemand es umsetzt. Mein Motto lautet generell: Beschwert euch nicht so viel!“

"Ich habe auch lange Zeit keinen Erfolg gehabt. Die Leute dachten, ich wäre tot. Aber ich bin zurückgekommen."


Gibt es heute einen Künstler, für den Sie gerne schreiben würden?

„Es gibt auf jeden Fall Musiker, mit denen ich gerne zusammenarbeiten würde. Justin Bieber, Ed Sheeran oder Rihanna. Aber auch mit älteren Künstlern wie Paul McCartney oder Neil Young. Aber das sind Wünsche, die vielleicht nie in Erfüllung gehen.“

Was raten Sie jungen Musikern?

„Der einzige Tipp ist: Gib niemals auf. Wenn du Musik liebst, dann mach es, mach es und mach es. Solange du das tust, hast du die Möglichkeit, erfolgreich zu werden. Ich habe auch lange Zeit keinen Erfolg gehabt mit meinen eigenen Songs. Aber ich bin zurückgekommen. Die Leute dachten, ich wäre tot. Die jungen Leute kannten Albert Hammond nicht. Jetzt spiele ich wieder vor tausenden von Menschen. Du musst einfach an dich glauben.“

Auf ne Coke mit Albert Hammond
MUSIK ALS HEILMITTEL: Albert Hammond

Ihr eigener Sohn ist ebenfalls ein erfolgreicher Musiker und spielt bei den Strokes. Inwieweit unterstützen Sie ihn musikalisch?

„Als die Band damals gegründet wurde, habe ich ihnen unter die Arme gegriffen. Als sie dann erfolgreich wurden, haben sie ihr eigenes Ding gemacht. Ich mische mich nicht mehr ein. Ich sehe meinen Sohn heute zum Shoppen und Mittagessen. Ich glaube, er bewundert, mit welcher Beharrlichkeit ich die Dinge in meinem Alter angehe. Die Strokes sind berühmt, hatten aber eigentlich nur einen großen Hit. Aber auch er muss einfach weitermachen und darf nie aufgeben.“

Mit wem würden Sie sich gerne mal auf 'ne Coke treffen?

„Nicht unbedingt mit einem Prominenten. Vielleicht mit einem Arzt, der ein Mittel gegen Krebs entwickelt hat.“

Darf ich fragen, warum?

„Ich habe viele Krankenhäuser und Hospize besucht, um dort aufzutreten. Das gibt den Patienten sehr viel – und mir auch. Mir wird bewusst, wie viel Leid es in der Welt gibt und immer geben wird. Ein Arzt macht etwas Ähnliches wie ich. Ich mache Menschen glücklich und versuche ihre Wunden mit meiner Musik zu heilen. Darum würde ich gerne mal ausführlich mit einem Arzt sprechen.“


Fünf Lieblingssongs von Albert Hammond:

1. John Lennon: „Imagine“

2. Buddy Holly: „That'll Be The Day“

3. The Everly Brothers: „All I Have To Do Is Dream“

4. Albert Hammond. „The Air That I Breathe“

5. Elvis Presley: „(Let Me Be Your) Teddy Bear“

 

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Albert Hammond – „SongBook Tour 2017“

09.4.17 Lübeck, Kolosseum

11.4.17 Heide, Stadttheater Heide

18.4.17 Potsdam, Nikolaisaal Potsdam

19.4.17 Halle, Steintor-Variete Halle

21.4.17 Gifhorn, Stadthalle Gifhorn

22.4.17 Duisburg, Theater am Marientor

23.4.17 Saarbrücken, Congresshalle Saarbrücken

26.4.17 Tuttlingen, Stadthalle

29.4.17 Berlin, Ernst-Reuter-Saal im Rathaus Reinickendorf

30.4.17 Cottbus, Stadthalle

05.5.17 Dresden, Alter Schlachthof

06.5.17 Dresden, Alter Schlachthof

07.5.17 Neubrandenburg, Konzertkirche Neubrandenburg

09.5.17 Erfurt, Alte Oper Erfurt

10.5.17 Borken, Stadthalle Vennehof Borken

12.5.17 Offenburg, Reithalle Offenburg

13.5.17 Kreuztal, Stadthalle Kreuztal

14.5.17 Aschaffenburg, Stadthalle am Schloss - Kirchner Saal

17.5.17 Karlsruhe, Konzerthaus Karlsruhe

19.5.17 Plauen, Festhalle Plauen

20.5.17 Paderborn, PaderHalle

21.5.17 Nordhorn, Alte Weberei Nordhorn