Die erste große Liebe, das erste Live-Konzert, die erste Schallplatte: Es gibt Dinge, die vergessen wir nie. Die erste Platte haben viele sogar noch in irgendeiner Kiste liegen, im Keller oder auf dem Dachboden. Vinyl ist auch heute noch voll im Trend. Und Achtung: Am 19. April ist der Tag des Plattenladens!
Die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Hongkong und Neuseeland. Plattenläden auf der ganzen Welt feiern am 19. April den Record Store Day. "Wichtiger als Weihnachten" findet die L.A. Times diesen Tag für den Plattenladen um die Ecke. Live-Gigs, spezielle Sonder-Editions, exklusive Aktionen: In Deutschland, Österreich und der Schweiz machen knapp 200 Plattenläden
mit. Dabei wird deutlich: Vinyl ist In! Nicht nur bei Romantikern und DJs. Fünf Gründe, warum die LP auch heute noch cool ist:

1. Erinnerungen an die Jugend

Was war deine erste Platte? Musikliebhaber können diese Frage ohne zu Zögern beantworten. Es soll sogar Chefs geben, die mit dieser Frage den Musikgeschmack ihrer Bewerber abchecken. Ohne Frage: Ein Besuch im Plattenladen oder das Stöbern in der eigenen Plattensammlung ist immer auch eine Reise in die Vergangenheit. Vor allem für die Generation über 40. Elvis, die Stones oder vier Pilzköpfe aus England. Das erste Date, die erste Party. Schallplatten erzählen Geschichten, vermitteln Nostalgie, wecken Erinnerungen. Aber auch Jüngere stehen wieder mehr auf den alten Analogsound. Laut einer Umfrage vor einigen Jahren haben fast 25 Prozent der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland noch einen Plattenspieler.

2. Das Platten-Pizza-Erlebnispaket

Tag des Plattenladens

Es ist in der Tat etwas umständlich: Wir haben eine Platte, die leicht zerbricht oder zerkratzt. Die müssen wir putzen, vorsichtig auf den Plattenteller legen und die Nadel draufsetzen. Ein mp3-File öffnen geht da natürlich schneller – aber: „Die Leute gehen ja nicht wegen des Films ins Kino, sondern sie gehen wegen des Kinos ins Kino. Das Erlebnis zählt und das ist bei der Schallplatte nicht anders“, sagte vor drei Jahren der Betreiber des Hifi-Museums, Gert Redlich. „Und was hat schon mehr Atmosphäre als Musik mit einem leichten Knistern?“ Der Berliner Plattenladenbetreiber Adem Mahmutoglu beschreibt es so: „Es ist ein sehr lebendiges, echtes und umfassendes Erlebnis. Platten hören ist wie Pizza essen. Das machst du am Besten im perfekten Licht, in einer perfekten Atmosphäre, mit den perfekten Freunden dabei.“

3. Die Musik von der Platte lebt

CD oder Vinyl? Musikliebhaber diskutieren leidenschaftlich über die bessere Klangqualität. In Internetforen schreiben User häufig Kommentare wie diesen: „Die CD hört sich kalt und steril an, dagegen die LP warm und lebendig, die Musik lebt.“ Die Tiefe und Dynamik der analogen Schallplatte ist für viele der Hauptgrund, warum sie Vinyl vorziehen. Musikfans legen wieder mehr Wert auf authentischen Analogsound, sind sich die Hersteller sicher. Auf Technikmessen reicht die Produktpalette von klassischen Liebhaberstücken über DJ-Turntables bis hin zu Kombigeräten. Mit denen können alte Aufnahmen gleich auf CD gebrannt werden - inklusive dem klassischen Knistern. Die alte Plattensammlung lässt sich so ruckzuck digitalisieren. So kann der Elvis-Fan die Singles vom Dachboden beim Joggen oder Autofahren hören.


4. Der Plattenladen als „Flash-Mittelpunkt“

Tag des Plattenladens

Rund, groß und 33 Umdrehungen pro Minute. Jeder vierte junge Mensch hat noch einen Plattenspieler


Das Flair eines Plattenladens ist nicht zu toppen: Der Vinyl-Fan kann hier stundenlang suchen, stöbern, fachsimpeln! Mit wildfremden Menschen – leidenschaftlichen Musikverrückten. All das gibt’s online nicht, auch nicht beim Elektrodiscounter. „Ich habe meine gesamte Jugend in Plattenläden verbracht. Ebenso fast mein gesamter Freundeskreis“, sagt Hip Hopper und Neu-Rocker Jan Delay. „Der Plattenladen war für uns nicht nur Jagdrevier, Goldmine, Flash-Mittelpunkt und Quelle unser Kreativität, sondern auch ein Umschlagplatz für Zwischenmenschlichkeiten. Ein Zentrum unserer Sozialisation. Einzig und allein Mädels konnte man da nicht abchecken“. Der Botschafter des Record Store Days hat erst vor ein paar Tagen sein Rock-Album „Hammer und Michel“ veröffentlicht – natürlich auch auf Vinyl. 

5. Das Cover als Kunstwerk

Das Auge hört mit! Wer sich Langspielplatten zulegt, kauft nicht nur den Inhalt, sondern auch die Verpackung! Plattencover sind häufig auch Kunstwerke. Das moderne Plattencover hat 1937 der US-Amerikaner Alex Steinweiss entwickelt. Sein Ziel: den musikalischen Inhalt grafisch darzustellen. Und es hat funktioniert. Die Umsätze von künstlerisch gestalteten Platten stiegen deutlich an. Die Plattenhülle wurde zum Marketinginstrument. In Gera wurden 2011 in der Ausstellung „Kunst im Quadrat“ 350 solcher Platten gezeigt. Darunter die von Joseph Beuys gestaltete LP „Sonne statt Reagan“ oder Andy Warhols Cover der Rolling-Stones-Scheibe „Sticky Fingers“. Darauf zu sehen: das Bild einer knallengen Jeans und ein echter Reißverschluss.
Lust bekommen auf Vinyl? Dann auf in den nächsten Plattenladen. Denn: „Plattenläden sind ein einzigartiger Ort, um neue Musik kennenzulernen. Die Auswahl und die Empfehlung erfolgt
nicht nach Konsum-Algorithmen, sondern nach oftmals völlig subjektiven Einschätzungen und Beweggründen des Plattenladenbetreibers“, sagt Jan Köpke im Gespräch mit Journey. Er ist der deutsche Organisator des Record Store Day. Eine Liste mit allen Plattenläden, die in Deutschland mitmachen, gibt’s hier.