In 80 Tagen um die Welt, das gab es schon einmal. In 80 Tagen quer durch Deutschland, das ist neu. Vor allem, wenn der Reisende das Land auf dem Tretroller durchquert. Genau das versucht Reporter Michael Wigge gerade – und er bloggt dabei.

Von Zuschauern und Pannen

Michael Wigge rollert durch Deutschland. Von Sylt bis zum Haldenwanger Eck in Bayern sind es genau 2473 Kilometer. Die wollen in 80 Tagen erst einmal geschafft werden. Im Schnitt macht das 30,91 Kilometer am Tag. Begleitet wird Wigge von einem Wohnmobil, in dem der rollende Reporter morgens aufwacht und das er abends mit etwas Glück am vereinbarten Etappenziel wiedertrifft. Das Wohnmobil ist sein Bett, sein Kleiderschrank und sein mobiler Arbeitsplatz. Vor allem aber rollert Michael Wigge. Ganz nebenbei filmt er sich selbst und die kleinen Skurrilitäten am Wegesrand und begleitet das Ganze mit einem Blog. Der Blog ist eine Art Reisetagebuch mit Geschichten, Fotos und natürlich Kommentaren von wohlmeinenden Lesern. Tretrollerfans geben Tipps in Sachen Kondition, Haltung und Sicherheit, Wigge-Fans erfahren online, wo sie den Deutsche-Welle-Reporter live finden können. Tatsächlich trifft der Rollerfahrer immer wieder auf neugierige Zuschauer. Neulich wurde er von einem engagierten Fan sogar zum Abendessen eingeladen. Spontane Gastfreundschaft und skurrile Gegebenheiten am Wegesrand, das sind die Geschichten, die Michael Wigge weitertreten lassen, auch wenn der Rücken schmerzt, der Gegenwind das Fahren zur Qual werden lässt, das Navi Mist baut, Wege im Nichts enden und der Roller feststeckt.

Der Weg ist das Ziel

Wenn Feldwege enden und der Roller geschultert werden muss, bringt das auch den härtesten Rollerfahrer gelegentlich zur Verzweiflung. Überwiegend aber sei er guter Stimmung, meint Michael Wigge. Täglicher Sport macht einfach gute Laune. Außerdem gibt es immer wieder Überraschungen im Rolleralltag. Auch wenn Michael Wigge sich natürlich gründlich vorbereitet hat. Drei Monate hat er trainiert, das Rauchen aufgegeben - die Idee, sich tretend durch ganz Deutschland zu bewegen hat ihm durchaus Respekt eingeflößt. Auch 80 Tage lang jeden Tag Programm zu haben, ist auf die Dauer anstrengend. Dabei wird nicht jeden Tag gerollert. Ist eines der Ziele erreicht, legt Wigge einen Filmtag ein.

Michael Wigge vor dem Ortsschild Sorge

Michael Wigges größte Sorge: Wie schaffe ich die Strecke in 80 Tagen? Mehr als 75 Kilometer pro Tag sind nicht drin - oder doch?


Schiefe Türme und die Mitte des Landes

Zu den Etappen der Reise gehören natürlich nicht das Brandenburger Tor und Schloss Neuschwanstein, sondern die unbekannten Superlative der Republik. Dem schiefsten Kirchturm wurde ebenso ein Besuch abgestattet, wie dem kleinsten Haus oder dem Mittelpunkt des Landes. Das alles sind kleine Ziele, aber auch mit dem großen Ziel sieht es gut aus. Bergfest wurde am 10. Mai gefeiert. Da hatte Wigge schon mehr als die Hälfte des Weges hinter sich. Aber letztlich kommt es auch nicht so sehr auf das Ziel an. Der Weg ist das Spannende, Deutschland wirklich einmal im Zeitlupentempo und Meter für Meter zu erkunden und nicht aus einem fahrenden Auto- oder Zugfenster.

Reisetagebuch 2.0

Am Ende sollen drei Medien über die ungewöhnliche Reise berichten. Beim deutschen Auslandssender Deutsche Welle läuft im August die Rollertour als Fernsehserie im Kultur- und Lifestylemagazin Euromaxx, das Reisetagebuch erscheint im Herbst im Piper Verlag. Tagesaktuell und interaktiv berichtet aber nur der Blog. Deshalb bekommt er auch hier unsere Blogoskop-Leseempfehlung. 

Michael Wigge auf dem Deich

Michael Wigge auf dem Deich: Bei Sonnenschein rollert es sich gleich doppelt schön



Felix Picker ist Manager Social Media and Digital Engagement bei Coca-Cola. In der Rubrik Blogoskop auf Journey stellt er regelmäßig lesenswerte Blogs vor.