99 PROZENT. Karolin Övünç ist stolz auf diese Zahl. Sie zeigt auf die Tafel, die über den Containern hängt: „Alles hat einen Wert“. Mit diesem Gedanken fing alles an.

Genshagen bei Berlin, Landkreis Teltow-Fläming. Hier produziert Coca-Cola seit 1998. Das Werk ist eines der modernsten und bundesweit das wassereffizienteste des Unternehmens. Es wird, wie alle Coca-Cola Produktionsbetriebe in Deutschland, ausschließlich mit Energie aus regenerativen Quellen betrieben. Durchschnittlich 94 Prozent der anfallenden Wertstoffe auf dem über 150.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände wurden hier stofflich wiederverwertet, wie an allen deutschen Standorten von Coca-Cola. Ein guter Wert. Aber gut ist manchmal nicht gut genug.

99 Prozent aller Produktionsreststoffe werden wiederverwendet. 

Circular Economy

Pappkerne, einer von über 50 Wertstoffen, die aufwendig recycelt werden

Karolin Övünç, 35, arbeitet seit 2003 bei Coca-Cola. Nach ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau begann sie ein berufsbegleitendes Studium zur Wirtschaftsingenieurin. Heute leitet sie in Genshagen die Produktionsplanung und Materialwirtschaft. 2015 übernahm sie in enger Zusammenarbeit mit dem Recyclingunternehmen Interseroh das Pilotprojekt für Kreislaufwirtschaft, im Fachjargon auch Circular Economy genannt. Ihr Ziel: Die Verwertung der bei der Produktion übrig gebliebenen Wertstoffe zu optimieren. Über 50 verschiedene Wertstoffe hat Karolin Övünç seitdem erfasst. Unter anderem vier Sorten Papier und acht Sorten Folien und Kunststoffe. Mehr als 300 Wertstoffbehälter stehen auf dem Betriebsgelände. Ihr Team hat es geschafft, dass nun 99 Prozent aller Produktionsabfälle erneut stofflich verwertet werden können. Worte wie „Müll“ oder „Abfall“ hat Karolin Övünç bei Coca-Cola dabei ebenfalls aussortiert. Denn das Aufkommen an thermisch zu verwertenden Reststoffen sank dabei um drei Viertel. Zahlen, auf die Karolin Övünç und alle anderen Mitarbeiter stolz sind. Und die das unabhängige Umweltinstitut bifa zertifiziert hat.

Eine Flasche wird wieder zu einer Flasche, ohne dass neue Rohstoffe notwendig sind.

Verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen ist ein zentrales Anliegen von Coca-Cola. Ulrike Sapiro, die Nachhaltigkeitsdirektorin des Unternehmens in Europa, sagt: „Wie wäre es, wenn wir das Sammeln von Wertstoffen als neue Form der Rohstoffgewinnung betrachten? Unsere Verpackungen sollten nicht nur leichter und einfacher werden, sondern Teil der Wertschöpfungskette sein.“

2015 hat Coca-Cola in Deutschland eine Verpackung eingeführt, die zu 100 Prozent aus recycelten PET-Flaschen besteht. Damit wird eine Flasche wieder zur Flasche, ohne dass neue Rohstoffe notwendig sind. Coca-Cola wurde dafür mit dem Deutschen Verpackungspreis ausgezeichnet.

Schon jetzt werden 95 Prozent der Coca-Cola Kunststoffflaschen in Deutschland recycelt, auch dank des Einwegpfands. Der Wertstoffkreislauf schließt sich so immer weiter. „Wir haben schon viel erreicht,“ sagt Ulrike Sapiro. „Aber unser Ziel ist, noch weniger oder möglichst gar keine neuen Rohstoffe mehr zu benötigen.“ 

Bis zu 76.000 Flaschen pro Stunde produziert und befüllt Coca-Cola in Genshagen, rund 250 Millionen pro Jahr. „Für Coca-Cola ist Nachhaltigkeit eine klare Verantwortung“, sagt Karolin Övünç. Als sie das Projekt begann und auf der Suche nach alternativen, recycelbaren Materialien war, hörte sie einen Satz besonders oft von Lieferanten und Entsorgern: „So etwas hat noch nie jemand gefragt.“ In Zukunft wird dieser Prozess zur Optimierung der Wertstofftrennung an weiteren Standorten von Coca-Cola übernommen. Ein Team in Karlsruhe hat schon mit der Umsetzung begonnen. Und Karolin Övünç freut sich darauf, die Antworten, die sie inzwischen erhalten hat, mit anderen zu teilen.