„Hallo Maxe, gib uns ein Autogramm!“ Der Ansturm der Mitarbeiter ist riesig, als Max Schmeling im Sommer 1957 die Coca-Cola Niederlassung in Hamburg-Wandsbek besucht. Dass der legendäre Sportler plötzlich leibhaftig vor ihnen steht, können viele kaum glauben. Wie kein anderer deutscher Boxer zuvor hatte er im Ring Triumphe gefeiert, wurde Weltmeister im Schwergewicht. Mit seinem K.o.-Sieg über den bis dahin ungeschlagenen Joe Louis im Jahr 1936 schrieb er Boxgeschichte.

Vom Boxchampion zum Coca-Cola Konzessionär

Max Schmeling

Max Schmeling stieg in den 50ern für Coca-Cola in den Ring

Nach seinem Karriereende sucht der Ausnahmesportler eine neue Aufgabe – und findet sie in der Herstellung von Erfrischungsgetränken. 1954 trifft er sich in Essen mit James Farley, der als Export-Verantwortlicher das Konzessionärssystem von Coca-Cola in Deutschland weiter aufbauen will. Schmeling kennt ihn aus seiner aktiven Zeit in den USA. Sein guter Ruf verschafft ihm einen neuen Job: Er wird Konzessionär bei Coca-Cola - als Mitinhaber der neugegründeten „Getränke-Industrie Hamburg Max Schmeling & Co KG“, die die Abfüll- und Vertriebsrechte für Coca-Cola in Hamburg übernommen hat.

Die Konzessionäre von Coca-Cola: Ein Netzwerk mit langer Tradition

Konzessionäre gab es bei Coca-Cola schon, seit Asa G. Candler 1892 die The Coca-Cola Company gründete. Candler engagierte sie als selbstständige Vertragspartner mit der Lizenz, Erfrischungsgetränke aus dem Hause Coca-Cola herzustellen, abzufüllen und in ihrem Geschäftsgebiet an Händler und Gastronomen zu vertreiben. Was dabei half, war ihr Wissen über die lokalen Gegebenheiten. Sie kannten die Kunden und die Wege und sie hatten gute Kontakte in ihrer Region. So konnten sie das Geschäft schnell und systematisch ausbauen.

In Deutschland etablierte Coca-Cola das Konzessionärssystem kurz nach der Eröffnung der deutschen Niederlassung 1940 in Essen. In den fünfziger Jahren gab es in Deutschland bereits über hundert selbständige Coca-Cola Abfüller

„Täglich Sport und Coca-Cola

Um Konzessionär zu werden, muss Schmeling 250.000 Mark als Startkapital aufbringen. Er leiht sich das Geld zusammen.  Als frisch gebackener Abfüller will er ein Chef zum Anfassen sein. „Ich sag Kuddel und Hein und Fietje zu euch“, erklärt er seinen neuen Mitarbeitern. Mit ihm steigt für Coca-Cola der ideale Partner in den Ring. „Kein Klax ohne Max“, wie die Hamburger sagen: Schmeling ist gut vernetzt und treibt die Verbreitung von Coca-Cola in Deutschland erfolgreich voran.

Die Nachfrage ist groß: 1967 verkauft Coca-Cola innerhalb eines Jahres bereits 100 Millionen Kisten. Im Laufe der Jahrzehnte wachsen die einzelnen Abfüllbetriebe zu immer größeren Einheiten zusammen, bis sich 2007 alle Konzessionäre zur Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG zusammenschließen. Heute beliefert Coca-Cola in Deutschland etwa 400.000 Handels- und Gastronomiekunden über ein weit verzweigtes Verkaufs- und Vertriebsnetz und ist mit rund 3,9 Milliarden Liter Absatz der größte Getränkehersteller Deutschlands.

Was Max Schmeling wohl dazu sagen würde? 2005 starb er im Alter von 99 Jahren. Der Legende nach antwortete er auf die Frage, wie er sich fit halte: „Täglich Sport und Coca-Cola.“


"Das Herz eines Boxers" – Max Schmeling singt den Refrain