In Brasilien rollt der Ball. Die Teams kämpfen um den Titel. Am Ende kann es nur einen Sieger geben. Horst Eckel, Bernd Hölzenbein und Pierre Littbarski kennen das Gefühl, Weltmeister zu werden. Sie haben es bei den Turnieren in der Schweiz (1954), Deutschland (1974) und Italien (1990) geschafft. Journey hat sie zum weltmeisterlichen Interview getroffen...
Journey: Herr Littbarski, was ist Ihre schönste Erinnerung an 1990?
Littbarski: Natürlich ist der Pokal das Endprodukt, aber auch das Eröffnungsspiel hat bei mir Spuren hinterlassen, das 4:1 gegen Jugoslawien. Da haben wir gemerkt, dass es nach '82 und '86 endlich klappen kann. Ich hatte ein gutes Gefühl, das sich bis zum Endpiel und natürlich mit dem Erfolg des Pokals widerspiegelte. Diese Erinnerung war toll.
Journey: An welchen Moment von 1974 denken Sie noch besonders gerne zurück, Herr Hölzenbein?
Hölzenbein: Der schönste Moment war, als mir unser Trainer Helmut Schön vor dem Spiel gegen Jugoslawien gesagt hat: 'Morgen spielst du von Anfang an.' Wir hatten zuvor gegen die DDR verloren. Aber anschließend musste er mich in der Mannschaft lassen, weil ich ganz gut gespielt habe und wir gewonnen haben. Gegen Schweden, Polen und dann das Endspiel.
Journey: Es liegt jetzt 60 Jahre zurück, aber was Ihr schönster Moment bei der WM 1954, Herr Eckel?
Eckel: Als der Schiedsrichter das Endspiel abgepffifen hat. Da haben wir gewusst: Wir sind Weltmeister. Das war eine Sensation für uns.
Journey: Was war das für ein Gefühl, als Sie dann den Pokal in den Händen gehalten haben?
Eckel: Das ist ganz schwer zu beschreiben. Man hat in dem Moment überhaupt keine Gefühle. Man weiß zwar, dass man Weltmeister geworden ist. Aber man ist noch so im Spiel drin, dass man gar nicht daran denkt, was danach passiert. Das haben wir erst mitbekommen, als wir wieder deutschen Boden betreten haben. Da haben wir erstaunt zusammengestanden und gedacht: 'Ist das möglich'?
Journey: Es hat ja auch niemand mit dem WM-Sieg gerechnet damals, Stichwort „Wunder von Bern“...
Eckel: Das kann man wohl sagen. Dass wir die Ungarn schlagen, die jahrelang auf der ganzen Welt kein einziges Spiel verloren haben, daran haben auch wir nicht geglaubt. Aber als wir dann nach dem 0:2 den Ausgleich geschossen haben, da haben wir uns gesagt: Jetzt wollen wir auch Weltmeister werden. Und das haben wir dann auch geschafft.
Journey: Dieser WM-Sieg hat damals ja dem ganzen Land einen unfassbaren Schub gegeben. Sind Sie darauf auch 60 Jahre später noch stolz?
Eckel: Ja, selbstverständlich. Das war für Deutschland damals eine ganz große Sache, dass die Fußballer Weltmeister geworden sind. Wir haben immer wieder Sätze gehört, wie: 'Was die Fußballer geschafft haben, das wollen wir jetzt auch machen'. Eine Aufbruchstimmung. Es war toll, so etwas zu hören und mitzuerleben.
Journey: Was haben Sie denn noch für Erinnerungen an den Zeitpunkt, als Sie den Pokal in den Händen gehalten haben, Herr Hölzenbein, Herr Littbarski?
Hölzenbein: Der Pokal kam mir damals viel, viel leichter vor. Als ich ihn kürzlich bei der FIFA World Cup™ Trophy Tour nochmal in den Händen hatte, dachte ich, er fällt mir jeden Moment aus der Hand. Aber ich war '74 ja auch noch kräftiger.
Littbarski: Für mich war es die absolute Erfüllung. Ich habe davor drei Turniere gespielt und habe dann das Größte erreicht, das sich ein Fußballer erträumen kann.
Journey: Denkt man in diesem Moment irgend etwas?
Littbarski: Ich kann mich an diesen Moment ehrlich gesagt gar nicht mehr erinnern. Ich habe nachher Videos gesehen, auf denen ich irgendwelche fremden Leute umarmt habe. Es gibt noch ganz verrückte Bilder. Man kann sich da gar nicht kontrollieren. Das ist ein Adrenalinausstoß besonderer Güte.
Hölzenbein: Ich kann mich auch kaum erinnern. Ich hatte damals auch gar nicht die Zeit, mir den Pokal bei der Übergabe richtig anzugucken. Das war ein tolles Gefühl. Es gibt Fotos, da stehe ich alleine neben meinem Trainer Helmut Schön und hinter uns sitzt ein neidischer Pelé. Dieses Foto habe ich heute noch als Autogrammkarte. Wenn ich das sehe, kommen immer wieder diese Glücksgefühle hoch.
Journey: Wie lebt es sich denn als Weltmeister, werden Sie heute noch oft darauf angesprochen?
Hölzenbein: Im Moment schon, ja. Normalerweise gehe ich über die Straße, und kein Mensch guckt nach mir. Aber durch den Hype einer Weltmeisterschaft ist das ganz anders. Es ist natürlich das Allergrößte für die Leute, wenn du Weltmeister bist.
Im ersten Teil des großen Weltmeister-Interviews: Welche Tipps hat Pierre Littbarski an Jogis Jungs? Werden wir endlich wieder Weltmeister?