Von: Benny Semmler, Blog-trifft-Ball.de
Was gibt es Schöneres, als gepflegt die FIFA Fußball-WeltmeisterschaftTM  zu gucken? Draußen, beim Public Viewing - oder auch zuhause. Für die, die lieber "private viewen", kommt hier das ultimative Daheim-Guck-ABC:
A wie Acetylsalicylsäure: Um Schleichwerbung zu vermeiden, dieses Mal nur in der wenig erklärenden Namensbeschreibung. Tritt pulverisiert, granuliert oder zusammengepresst auf. Hilft bei Kopfbrummen, wenn beim Torjubel die Decke zu tief hing.
B wie Bacalhau: Beeindrucke deine Fankurve mit landestypischen Köstlichkeiten zum Probieren. Beispielsweise mit der portugiesischen Spezialität Bacalhau – Stockfisch, der an dunklen Bohnen und Reis gereicht wird.
C wie Coke: Das schwarze Gold ist ein wichtiger Wachhalter zu später Anstoßzeit und sollte eine Stammplatzgarantie im Kühlschrank haben.
D wie Deko: Ob fürs Auto oder für den Partytisch – die Farben Schwarz-Rot-Gold gehören einfach auf alles.
E wie Eiswürfel: Wenn man sie da hat, will sie meist keiner. Fehlen sie aber, dann knirscht es gewaltig. Vor allem, wenn man Eiswürfel unabhängig von der Getränkewahl benötigt.
F wie Frauen: Längst etabliert vor der WM-Leinwand: weibliche Emotionen. Oft mit viel mehr Enthusiasmus als der stuhlklebende Kerl ausgestattet, veredeln gut gelaunte und semi-informierte Frauen jede Deutschlandspiel-Party. Und läuft's mit unserem Team mal nicht so rund, sagen Frauen gerne so aufbauende Dinge wie: „Nächstes Mal spiel‘n se wieder besser.“ Uff.
G wie Grill: Das Zuckerhut-Volk hat das Grillen erfunden. Klingt komisch, soll aber so sein. Das komische Halbnackt-Tanzen auf offenen Straßen übrigens auch. Allerdings: Beim Bruzzeln sind die Deutschen mittlerweile unschlagbar und außerdem weltweit die Wurst-Nation Nummer eins. Das heißt: Lasst es qualmen!
H wie Hüpfburg: 'Ne Packung Salzstangen reicht halt nicht mehr. Biete deinen Wohnzimmerfans ordentlich Spektakel auch abseits des Fernsehbildschirms. Neben dem Tischkicker im Badezimmer und einem Dartboard im Flur braucht's nach einem DFB-Triumph die Hüpfburg im Schlafzimmer.
I wie Ipanema Bowle: Die alkoholfreie Alternative zum Caipi. Ist schnell gemacht, schmeckt solide und hinterlässt am nächsten Morgen kein Schlachtfeld in der Kopfgegend. Lässt sich auch super in der Hüpfburg trinken.
J wie Jogiimitation: Jogi ist immer noch beliebt! Trotz Taktik-Patzer 2010 ist und bleibt der Löw unser aller Leader-Trainer. Zudem sind die sprachlichen Imitationen des Badeners („högschter Konzentration“) noch immer in Mode.
K wie Kriegsbemalung: Was die indigenen Ureinwohner bereits seit Jahrhunderten praktizieren, machten die Rugbyspieler dieser Welt für den Sport salonfähig. Deshalb gilt: Auch wir Fans müssen uns wieder die Wangen beschmieren.
L wie Legendär: Wem DAS beliebteste Begeisterungswort „Üüüüberragend“ nach einem Reus-Kracher nicht mehr über die Lippen gehen will, greift zur Formulierung „Jetzt schon legendär.“ Wird zwar kaum einer verstehen, es suggeriert aber legendäres Fachwissen.
M wie Mobiliar: Am besten lässt sich das Turnier der Turniere unter freiem Himmel schauen. Das Problem: Viele Gartenstühle sind nicht als das Nonplusultra der Bequemlichkeit bekannt. Schon gar nicht, wenn die WM-Wampe auf Pudding-Modus vibriert. Häufig gesehen: Die Second-Hand-Couchwiese für den Garten oder die Garage.
N wie Nervennahrung: Studentenfutter, Köttbullar und Tortillas. Die FIFA Fußball-WeltmeisterschaftTM ist international. Alles ist erlaubt. Hauptsache es wird gegrillt.
Ö wie Özil-Trikot: Beweise, dass du kein Erfolgsfan bist und solidarisiere dich mit Mesut …
P wie Promi: Wäre es nicht schön, wenn die Fußballprominenz die Expertise im heimeligen Wohnzimmer ergänzt? Ein Frank Buschmann, der die Spiele live vom Schreibtischstuhl mitkommentiert oder eine Röhre wie Manni Breuckmann, der die Halbzeitshow musikalisch initialisiert? Problem: Nur F-Promis wie Schäfer Heinrich kann man für Private Viewing buchen.
Q wie das Quäntchen Glück: Die Getränke können perfekt gekühlt sein, die Steaks zart wie irische Butter und die Location wie die edelste Butze in Brasilien prunken. Doch das alles nützt nicht viel, wenn unsere Nationalmannschaft verliert. Deshalb braucht es das Quäntchen Glück. Glück. Glück. Glück.
R wie Rio-Flair: Der Brasilianer isst gerne und viel. Sehr beliebt: Fleischspieße. Fast noch höher im Kurs: Nachspeisen. Statt Grießbrei also gerne mit Mousse de Maracuja oder Nega Maluca auftrumpfen. Ins WM-Glas gehört Guarana und Kokoswasser. Und eine echte brasilianische Liveband würde den Samba-Step natürlich abrunden.
S wie Steaks: Auch wenn in Werbeclips und schrägen Musikvideos (man denke nur an Stefan Raabs Gartenzwergvideo) die Bratwurst dominiert, ist der richtige Auftakt für ein zünftiges WM-Spiel immer noch ein selbst mariniertes Schteeeek. Unser Tipp: Die erfolgreichen Neunziger nachahmen und das Fleisch – wie früher Mutti – in Bier und Zwiebeln einlegen.
T wie Tippspiel: Das i-Tüpfelchen auf dem T. Das Tippspiel. Egal in welcher Variante, die Ergebnisraterei gehört ins schwarz-rot-goldene Unterhaltungsprogramm.
U wie Urlaubstag: Er gehört zwar primär nicht zur Party, stellt aber dennoch die Weichen für einen guten Abend. Ohne das Gefühl des nächstmorgendlichen Ausschlafens kann selbst der größte WM-Sieg seinen Reiz verlieren. Deswegen: Nach dem Spiel ist vor dem Urlaub. Sicher ist sicher.
V wie Vuvuzela: Oder Trillerpfeife 2.0. Wer auch immer als erstes mit den nervenden Tröten in Produktion gegangen ist: herzlichen Glückwunsch. Trotz überwiegender Abneigung: Ohne diesen nicht enden wollenden Mööööööööööh-Lärm fehlt was.
W wie WM-Song: Wenn er gut ist, dann ist er gut. Ob 2010 „Waka Waka“, 2006 die „Sportfreunde Stiller“ oder 1998 „Blur“ mit „Song 2“. Diese Stücke gingen ins Ohr. Ins Hirn muss der Text.
X wie Xavier Naidoo: Ach, was haben wir alles damals dieser wundervollen Schmonzette („DIESER WEG …“) gelauscht. Fakt ist aber: Egal wie lang die Liste der Fußballsongs sein soll - bleibt bei dem anregenden Liedgut der Fußballkultur.
Y wie YouTube-Videos: Neben legendären WM-Songs besonders begehrt: die deutschen WM-Tore aus den Jahren 1974 und 1990. Und das komplette Material von und mit Sara Carbonero.
Z wie Zecond Zcreen oder Zweiter Fernseher: Wenn in der 70. Spielminute immer noch kein Tor gefallen ist, dann steigt die Nervosität ins Unermessliche. Deshalb bedarf es eines zweiten Fernsehraums, der den emotional besonders Involvierten eine ruhige Alternative zum lauten Trubel bietet. Mann will auch mal für sich sein.