Von Georg Abel, Bundesgeschäftsführer der VERBRAUCHER INITIATIVE e. V.

Endliche Ressourcen, steigende Weltbevölkerung, Klimawandel … - längst stellt sich nicht mehr die Frage, welche Welt wir unseren Kindern oder gar den Enkeln hinterlassen. Die Herausforderung heißt vielmehr, wie wir unsere Lebensgrundlagen weltweit gestalten. Sicherlich gibt es dafür verschiedene Wege, Geschwindigkeiten und Strategien. Unbestritten ist aber: Jede(r) muss Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung übernehmen.

Das Thema Nachhaltigkeit liegt im Trend: bei Politik, bei Medien, bei Unternehmen - und bei immer mehr Konsumenten. Das Problem: Jeder versteht etwas anderes unter diesem Begriff - dies erschwert eine breitere Verankerung des komplexen Themas. Die daraus resultierenden Herausforderungen stellen sich Politik, Unternehmen und Zivilgesellschaft gleichermaßen.

Umweltgerecht produzieren, sich fair verhalten und sich dazu noch sozial engagieren - immer mehr Unternehmen in Deutschland berücksichtigen inzwischen diese Aspekte in ihrer täglichen Arbeit. Dies ist auch notwendig, denn Verbraucher achten nicht mehr nur darauf, ob Produkte und Dienstleistungen in Ordnung sind. Sie berücksichtigen zunehmend auch, ob sich Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette umwelt- und sozialverantwortlich verhalten und wie sie über ihre Aktivitäten berichten.

Ein glaubwürdiges Unternehmensengagement umfasst alle Unternehmensbereiche sowie -positionen und berücksichtigt Arbeitnehmerinteressen, den betrieblichen Umweltschutz, die Beachtung des Umweltschutzes und menschenwürdiger Arbeitsbedingungen in der Zulieferkette und den Verbraucher-schutz. Der Dialog mit Vertretern der Zivilgesellschaft und Transparenz wird in Anbetracht dieser Herausforderungen zukünftig noch notwendiger.

Ob beim Produkt, z. B. beim Zuckergehalt, oder der ökologisch vorteilhaften (Getränke-)Verpackung, ob mit dem Einsatz „grüner“ Energie oder durch umweltfreundlichere Logistik – die Ansatzpunkte unternehmerischen Handels sind vielfältig. Über ihr Kerngeschäft hinaus können Unternehmen sich zudem bürgerschaftlich engagieren oder einen Beitrag zur Verbesserung des Ordnungsrahmens leisten, zum Beispiel indem sie entschieden gegen Korruption und Bestechung vorgehen.

Entscheidend für die Wirkung beim Konsumenten ist die Glaubwürdigkeit. Wenn Unternehmens-aktivitäten mehr sein sollen als betriebswirtschaftliche Optimierung, Reputationsmanagement und Imagepflege, müssen ethische, soziale und ökologische Werte verbindlich in die Strategien und die Ziele des Unternehmens integriert werden. Diese müssen in Unternehmensleitlinien formuliert oder in das bestehende Unternehmensleitbild eingebettet sein. Zudem sollte das Unternehmen seine Tätigkeiten sowie deren Auswirkungen sachgerecht und transparent kommunizieren. Nur so kann ehrliches, dauerhaftes und ambitioniertes Nachhaltigkeitsengagement von plakativen und schönfärberischen Einzelmaßnahmen unterschieden werden.

Glaubwürdiges Unternehmensengagement wird honoriert, denn die Bereitschaft zu verantwortlichem Konsumstil ist gestiegen. Bio, Fair & Co sind zum Teil Lifestyle, den man sich kaufen kann. Offenkundig gibt es Veränderungen im persönlichen Wertigkeitsranking von Verbrauchern. Dieses hat zu einem veränderten individuellen Ausgabenmanagement - nicht nur bei den sogenannten LOHAS (Nachhaltigkeitsaffinen) - geführt. Ohne Zweifel müssen die erfolgreichen Ansatzpunkte in der Nische (Bio, Fair...) zukünftig weiterentwickelt werden. Die Herausforderung heißt, den „Massenmarkt“ nachhaltig(er) zu bewegen. Kleine Verhaltensänderungen in der Breite der Gesellschaft haben bekanntermaßen eine große Wirkung.

Nachhaltigkeit ist ein großes Ziel. Diese Aufgabe lässt sich nur von allen Akteuren gemeinsam lösen. Der gegenseitige Verweis auf das zunächst notwendige Engagement Anderer (die Politik, die Unternehmen, die Verbraucher) ist hier wenig hilfreich, kostet er doch die Zeit, die wir eigentlich schon lange nicht mehr haben.


Georg Abel arbeitet als Bundesgeschäftsführer der 1985 gegründeten VERBRAUCHER INITIATIVE e. V. Der Bundesverband kritischer Verbraucherinnen und Verbraucher informiert vielfältig zum Thema Nachhaltigkeit, ob mit zahlreichen Verbraucherbroschüren, mit der Label-Datenbank (www.label-online.de), mit Untersuchungen zur Umwelt- und Sozialverantwortung von Unternehmen, mit Marktforschung und praktischen Tipps (www.nachhaltig-einkaufen.de).