Berlin, Februar 2014 - Spielen heißt Experimentieren – so lernen Kinder die wesentlichen Fertigkeiten, um ihre Welt zu verstehen. Allein bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr spielt ein Kind bis zu 15.000 Stunden. Ihre Fantasie kennt hierbei keine Grenzen, der öffentliche Raum dafür allerdings schon. Weniger als ein Prozent der besiedelten Fläche Deutschlands steht Kindern offiziell zum Spielen in Form von Spielplätzen zur Verfügung. Wenn ihnen dort nach kurzer Zeit auch die geheimen Orte fürs Versteckspiel ausgehen, fragen sich auch Eltern: Macht das wirklich Spaß?

Mediziner, Psychologen und Pädagogen sind sich einig: Spielen ist wichtig! Denn es fördert die sozialen, motorischen und kognitiven Fähigkeiten von Kindern grundlegend. Prof. Dr. Klaus Fischer, Bewegungspädagoge an der Universität Köln weiß: „Freies, kreatives Spielen bedeutet auf Entdeckungsreise gehen, erforschen, individuelle Spuren hinterlassen und neugierig sein. Dabei agieren Kinder intuitiv und selbstbestimmt ohne enge elterliche und räumliche Eingrenzung“. Doch der Raum, in dem Kinder wohnen und leben, lässt das nicht immer uneingeschränkt zu: Straßen, Zäune und Verbote stehen dem Spiel oft im Wege.

Weg vom Genormten, hin zum freien Spiel – auch über den Spielplatz hinaus

Erwachsene haben meist andere Vorstellungen als Kinder, wenn es um Zeit und Raum fürs Spiel geht. Ballett- und Tennisstunden, Fußballtraining, Klavierunterricht: Selbst die Kleinsten haben bereits einen vollen Terminkalender und nur wenig Zeit zum selbstbestimmten Spielen. Und auch ein Spielplatz, wie ihn Eltern kennen und mögen, ist für Kinder nicht immer anregend. Prof. Dr. Klaus Fischer erklärt: „Das nicht Genormte, nicht Geometrische ist essentiell in der kindlichen Entwicklung. Das Unfertige, Veränderbare motiviert sie. Kinder suchen sich genau diese Dinge – wenn man ihnen nur die Freiheit lässt“. Das geht auch über die Grenzen des Spielplatzes hinaus: Auch vermeintlich verbaute Orte wie Innenstädte bieten viel Raum für kreatives Spiel. Von Treppen, Pöllern und Geländern über Springbrunnen und kleinen Gassen bis hin zur Bürgersteigkante – Kinder sehen darin nicht nur das Funktionelle oder Ästhetische, sondern vielmehr eine spannende Welt aus vielfältigen Spielelementen. 

Die 5 Grundregeln für Spielplätze mit Kreativitätspotential

Ein kreativer Spielplatz bietet mehr als Rutsche, Wippe und Schaukel. Folgende Tipps und Inspirationen von Experten des Deutschen Kinderhilfswerkes helfen bei der Planung: 

1)    Kinder wollen mitgestalten. Warum die Kinder der Umgebung nicht integrieren, wenn es um die Planung oder Umgestaltung eines

Spielplatzes geht? Dann wird es auch „ihr“ Spielplatz.

2)    Ein Beispiel an der Natur nehmen. Spielen ist nur dann Spielen, wenn Spontanität und Experimente möglich sind. Die Natur ist dafür das beste Vorbild. Hügelstrukturen und Gehölzinseln bieten Rückzugsorte und regen den Spieltrieb an. Die bewusste Unübersichtlichkeit einzelner Bereiche lässt überraschende Wege zu.

3)    Rückzugsorte schaffen. Jeder, der spielt, braucht auch mal eine Pause. Wie wäre es, sich in einer eigens dafür gedachten Nische zurückzuziehen? So schafft man gleichzeitig Orte zum sozialen Austausch. 

4)    Raum für eigene Ideen schaffen. Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten fordern Kinder heraus und regen die Fantasie an. Mit Wasser spritzen, auf Balken balancieren oder sich in einem Weidentunnel verstecken: Auf einem guten Spielplatz können Kinder selbst ihre Umwelt gestalten und mit losem Naturmaterial eigene Ideen umsetzen. Darüber hinaus fördern natürliche Elemente wie Hügel, Bäume oder Findlinge die Kreativität und die Sinneswahrnehmung und trainieren die motorische Geschicklichkeit.

5)    Bestehendes sinnvoll ergänzen. Klassiker wie Wippe oder Sandkasten sind nicht per Definition schlecht und bringen vielen Kindern Spaß. Dennoch darf es hier und da ruhig ein bisschen mehr sein: schon kostengünstige Materialien wie Bretter, Gehölz oder große Steine bieten Abwechslung und Raum fürs „Selbermachen“.