Grit Schulze
Senior Brand Manager glacéau vitaminwater, Coca-Cola GmbH

„Meine stärksten Treiber sind Spaß und die Lust zu lernen“

Coca-Cola statt Studium, so war der erste Schritt von Grit Schulze zum Unternehmen. Letztlich hat sie beides gemacht. Sie wuchs in der Firma, studierte in Rekordgeschwindigkeit, betreute acht verschiedene Jobs und verantwortet heute als Senior Brand Manager die Marke glacéau vitaminwater.

„Ich habe vor 17 Jahren bei Coca-Cola angefangen, also direkt nach dem Abitur. Ich hatte viele Ideen im Kopf, wollte Fashiondesign in New York studieren, gleichzeitig aber auch etwas Vernünftiges mit Zukunftspotential machen. Coca-Cola war für mich die perfekte Mischung aus vernünftig und cool. Für mich hatte Coke immer etwas Leidenschaftliches. Es gab die tolle Werbung, Robin Beck mit „First Time“, den Coke light Mann und natürlich die sexy 0,2 Liter Glasflasche. Ich habe mich dann bei der CCE AG um eine Ausbildungsstelle zur Industriekauffrau beworben. In der Ausbildung kam ich schnell durch alle Abteilungen und wurde direkt übernommen. Ich hatte damals eine tolle Vorgesetzte, die mich ins Channel Marketing holte. Ich war dann mitverantwortlich für das Marketing beziehungsweise die Vertriebsunterstützung in Diskotheken, Kinos und Hotels. Das waren meine ersten Schritte in der Festanstellung.

Lernen in Theorie und Praxis

Schnell habe ich bemerkt, dass mir ohne Studium einige Türen verschlossen bleiben würden. Meine Vorgesetzte hat mir damals freigestellt, ob ich Vollzeit arbeiten möchte oder 20 Stunden und zusätzlich studieren. Dafür habe ich mich dann entschieden und BWL erst an der Humboldt-Universität, später an der Freien Universität in Berlin studiert. Ich war es gewohnt, sehr strukturiert zu arbeiten. Deshalb konnte ich das Studium so zügig durchziehen, dass ich mitsamt Auslandsstudium in Kopenhagen nach vier Jahren als eine der Besten meines Jahrgangs abgeschlossen hatte.

Nach dem Studium kam ich in den Bereich Business Information. Die Analyse unserer Absätze in Abhängigkeit von unterschiedlichsten Variablen hat mir großen Spaß gemacht. Überhaupt waren Spaß und Lernen für mich immer die stärksten Treiber. Später stieg ich tiefer in die Marktforschung ein, konnte viel konzeptionieren und eigene Tools entwickeln. Dann eröffnete eine Kollegin einen neuen Bereich und holte mich dazu. Wir haben zusammen den Bereich Media- und Advertising Insights aufgebaut. Dort sind Studien und Insights entstanden, die enorm innovativ waren. Ich erhielt die Chance an Kongressen teilzunehmen und davon zu berichten. So musste ich plötzlich in Wien vor 400 gestandenen Marktforschern aus der ganzen Welt sprechen, das war eine riesige Herausforderung. In der Zeit habe ich gelernt, dass ich an Aufgaben, vor denen ich großen Respekt habe, unheimlich wachsen kann. 

Aus diesem Bereich bin ich in meine erste Senior-Rolle geschlüpft und hatte mein erstes eigenes Team. Vermutlich war das die Situation, an der ich am meisten in meinem Leben gewachsen bin. Ich musste lernen, mich zu bremsen, mehr zu erklären und Menschen entlang ihrer Stärken und Leidenschaften zu entwickeln. Hier habe ich auch erfahren, dass man andere Leute dort abholen muss, wo sie stehen, um Ideen voranzutreiben.

Auf Stärken setzen

Ich habe in den letzten 17 Jahren in acht unterschiedlichen Funktionen gearbeitet. Das ist eine gute Rotation. Als ich mich zuletzt fragte, wohin ich mich als nächstes orientieren möchte, entschied ich mich für den Weg ins Marketing. Ich bin nicht ausschließlich Researcher, sondern jemand, der aus Daten Geschichten erzählt. Es war immer meine Leidenschaft, neue Themen anzustoßen. Ich durfte mich dann im Rahmen eines Short Term Assignment drei Monate lang bei Coke light und Coke Zero beweisen. Dort habe ich gelernt, dass Marketing spezifische Werkzeuge voraussetzt, dass aber auch die richtige Mischung aus Bauchgefühl, Köpfchen und einem super Team entscheidend ist. Ich habe in dieser Zeit und auch von meinem Team wahnsinnig viel gelernt, wovon ich jetzt bei glacéau vitaminwater profitiere.

Dort habe ich auch gelernt, wie wichtig es ist, auf Stärken aufzubauen. Mein jetziger Job entspricht zu 100 Prozent meinen Stärken. Ich bin passioniert, kann Leute überzeugen, habe eine unheimliche Energie und den Willen, Dinge voranzubringen. Das ist sehr wichtig, nicht nur für mich, auch für die Marke. Natürlich will ich, dass glacéau vitaminwater Marktführer wird, nicht Platz drei.

Vitamindrink mit Persönlichkeit

Seit November 2012 etabliere ich nun glacéau vitaminwater in Deutschland. Diesen Job wollte ich unbedingt haben. Mit glacéau vitaminwater kann ich mich voll und ganz identifizieren. Das ist ein tolles Produkt mit einer starken Persönlichkeit und dem Style der Weltmetropole New York. Es besteht aus Quellwasser, hat nur 13 Kalorien pro 100 ml, enthält Vitamine und Nährstoffe und keine Konservierungs- oder Farbstoffe. Es gibt nichts Vergleichbares in Deutschland. Was bei glacéau vitaminwater spannend ist und ganz anders, als bei unseren großen Marken: Es wächst erst einmal nicht über nationale Distribution und Media, sondern über einen segmentierten Ansatz. Wir expandieren von Stadt zu Stadt, gehen dort in die Hot Spots, bringen es in die angesagten Läden, teilen es mit den coolen Leuten und steigern darüber den Bekanntheitsgrad der Marke. Bisher gibt es glacéau vitaminwater in Hamburg, Köln und Frankfurt, als nächstes folgt Berlin.

Glacéau vitaminwater funktioniert wie ein Unternehmen im Unternehmen. Der Ansatz ist sehr glaubwürdig. Das liegt auch daran, dass unser Team eine starke Bindung an das Produkt hat. Mit dem Produkt erreichen wir einerseits Läden, die keine Coke verkaufen und andererseits Kunden, die Vertrauen zu Coca-Cola haben. Das ist toll: du bist Teil des Systems und stehst gleichzeitig für ein eigenes Produkt. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, möchte ich, dass wir die Zeit haben, diese Marke langsam aufzubauen. Ich will das Produkt nachhaltig einführen. Für die Glaubwürdigkeit muss die Marke wachsen wie ein Pflänzchen. Ich glaube, dass gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für das Produkt ist. Der Health-Style-Markt boomt - diesen Trend will ich nutzen.

Nichts ist unmöglich

Bei Coke gab es vor allem zwei positive Erfahrungen, die ich für mein Leben mitgenommen habe. Die eine ist, dass ich mich sehr stark einbringen kann. Es ist toll zu sehen was möglich ist. Es gibt so viele Wege, nicht nur die eigene Karriere, sondern vor allem auch das Unternehmen weiterzubringen. Die andere Erfahrung ist der Spaß, den ich auch nach 17 Jahren noch an meinem Job habe. Wir arbeiten hart, aber wir haben enorm viel Spaß und der Zusammenhalt stimmt.

Berufsanfängern würde ich immer raten, dass sie sich gut überlegen, was sie möchten und dann auch dafür eintreten. Wer an sich glaubt und sich weiter bewegt, der bekommt auch Möglichkeiten. Außerdem rate ich jedem, sich immer wieder Aufgaben zu suchen, die erst einmal eine neue Herausforderung darstellen und einen aus der „Komfortzone“ holen. Nichts ist wertvoller als Erfahrung. Was mich in meiner Entwicklung unterstützt hat, war dass ich mir Mentoren gesucht habe. Ich habe mich nie gescheut um Hilfe zu bitten oder Fragen zu stellen. So habe ich mich von einer Spezialistin weiterentwickelt und bin heute breit aufgestellt. Ich bin gespannt was als nächstes kommt!“

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